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Briefe

PRIESTER TUN ES NICHT
aus DER SPIEGEL 39/1968

PRIESTER TUN ES NICHT

(Nr. 32/1968, Papst und Pille) Nicht stets erfreut dar Kindersegen, er kommt recht oft höchst ungelegen Zumal bei mangelnder Ernährung ass Folge mangelnder Bewährung Dagegen hilft die kleine Pille. Erhalten bleiben Trieb und Wille.

* Vorsitzender der Freien Demokratischen Partei, Landesverband Berlin. Doch böse Folgen bleiben aus. und ungestört Ist Hof und Haus. Der Papst -- so hört man -- ist dagegen, doch keiner weiß so recht weswegen, denn seine Priester tun es nicht, Enthaltsamkeit ist Kirchenpflicht. Was Männer unter sich betreiben, wird stets dem Papst ein Greuel bleiben, Wer lieben will, muß Kinder bringen, und derart wird es kaum gelingen. Und gar die schnöde Laienwelt fragt nicht, ob es dem Papst gefällt. Man nimmt geregelt seine Pille, nicht offen zwar, doch In der Stille. Und zeigt, im zwanzigsten Jahrhundert, ob geist'ger Enge sich verwundert. Man glaubt nicht, daß man sündige, wenn man dem Storche kündige. Wer für die Pille sich entschlossen, wird darum doch nicht ausgeschlossen. Der Kirche sind die Seelen teuer, sie denkt nicht an die Kirchensteuer. Ihr Freunde, merkt es euch genau, wenn ihr liebt als Mann und Frau: Wer klug ist, mit der Pille startet. Vom Papst wird solches nicht erwartet.

Berlin WILLIAM BORM MDB

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