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Justiz Privater Knast?

aus DER SPIEGEL 5/1995

SPIEGEL: In vier Jahren sind 36 Gefangene aus Thüringens Haftanstalten entwichen. 4 kratzten ein Loch in die Decke und sind bis heute frei. Pennt das Personal?

Kretschmer: Ich setze jetzt eine Kommission ein, die Bauten und Personalqualifikationen untersuchen soll. Fest steht, daß die Gebäude nicht westlichen Standards entsprechen. Ich erwarte Vorschläge, wie das Personal besser ausgebildet werden kann. Der Strafvollzug muß menschlicher und sicherer werden.

SPIEGEL: Wie wollen Sie in Gebäuden, die teilweise seit 1813 als Knast genutzt werden, einen modernen Strafvollzug gewährleisten?

Kretschmer: Die Lage hat die DDR verursacht. Damals verwaltete die Polizei die Anstalten. Mit ihren Hundelaufanlagen und Zäunen, die unter elektrischer Hochspannung standen, erinnerten die eher an KZ. So etwas wurde nach der Wende sofort abgeschafft. Heute besteht ein ganz erheblicher Renovierungsbedarf.

SPIEGEL: Wer soll das bezahlen?

Kretschmer: Für den Bau von zwei neuen Anstalten und die Renovierung der anderen benötigen wir mindestens 460 Millionen Mark. Deshalb will ich zum Beispiel klären, ob wir Gebäude privat bauen lassen und dann als Land leasen. Wir wollen aber auch prüfen, ob Aufgaben des Strafvollzugs von privaten Unternehmen wie in den USA oder England übernommen werden können. Derzeit läßt die Rechtslage das allerdings noch nicht zu.

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