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CHINA Probleme mit der Wahrheit

aus DER SPIEGEL 12/2001

Chinas Kommunistische Partei hat immer größere Schwierigkeiten, die Nachrichten in ihrem Sinn zu kontrollieren. Jüngstes Beispiel ist die Explosionskatastrophe in der Provinz Jiangxi am 6. März, bei der mindestens 42 Schulkinder und Lehrer starben. Nach dem Unglück beschrieben die Zeitungen in ihren ersten Berichten den von Dorfbewohnern geschilderten Hergang: Die Kinder hatten in den Klassenräumen Feuerwerkskörper hergestellt, um für die Lehrer Geld zu verdienen - dabei flog aus Versehen das Pulver in die Luft. Da der Partei jedoch ein Schulsystem peinlich ist, in dem Kinder gefährliche Arbeiten verrichten müssen, veröffentlichte sie eine andere Version: Ein Verrückter mit Eheproblemen habe die Schule gesprengt. Von da an wurden die Medien gezwungen, die offizielle Lesart zu übernehmen; das Pekinger Außenministerium beschimpfte ausländische Journalisten, die sich nicht an die Sprachregelung hielten. Die Dorfbewohner allerdings blieben bei ihrer Aussage. Auch im Internet mochte kaum jemand den offiziellen Berichten glauben. Folge: Zensoren löschten die kritischen Beiträge aus den Chatrooms.

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