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Briefe

PROLETARIER UND PRÄTORIANER
aus DER SPIEGEL 27/1966

PROLETARIER UND PRÄTORIANER

Ich bin dankbar für Ihren Hinweis auf die »Proletarier und Prätorianer« von W. von Schultzendorff. Diese Jahre habe ich zwar als Schulmädel am Brennpunkt des Geschehens, in Berlin, miterlebt, habe aber bisher nicht im entferntesten durchschaut, was damals (1918 und in den Jahren danach) alles gespielt wurde. Mehrmals habe ich erfolglos versucht, mich durch politische Bücher über diese Zeit durchzuarbeiten.

Backnang (Bad.-Württ.) ELFRIEDE WAGNER

Ich finde, daß es dem Autor mit seiner detaillierten, aber dennoch fesselnden

Darstellungsweise gelungen ist, einen Zeitabschnitt eindrucksvoll zu beschreiben, über den man sich meines Erachtens in der bisherigen Literatur nur bruchstückweise informieren konnte.

Frellstedt (Nieders.) ULRICH LÜCK

Im SPIEGEL befindet sich unter dem schönen Titel »Suppes Kampf« ein Aufsatz. In seinem ersten Absatz findet sich folgender Satz: »Die bisher vorliegende Literatur über die turbulente Frühzeit der Weimarer Republik zwischen 1918 und 1923 handelt von Parteiführern, Generälen, Agitatoren und Freikorpsführern: von Friedrich Ebert und Hans von Seeckt, von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, von Waldemar Pabst und Hitler.«

Mir gefällt die Zusammenstellung meines Namens mit demjenigen eines Hitler nun in keiner Weise. Ich habe mit dieser Persönlichkeit nicht das geringste zu tun gehabt, außer daß ich in der von ihm gewünschten Unterredung es abgeschlagen habe, mit ihm zusammenzuarbeiten, sondern das Gegenteil tat ...

Zur Sache selbst möchte ich heute nur so viel bemerken, daß ich mit dem Markus -Verlag in Köln zur Zeit in Verbindung stehe, der dieses von Unrichtigkeiten und Entstellungen wimmelnde Machwerk herausgebracht hat.

Düsseldorf W. PABST

Diese Punkte sind nur ein kleiner Teil von Argumenten gegen die Ausführungen Schultzendorffs:

Es war kein Fehler sozialdemokratischer Wehrpraxis, daß Zufallsgebilden wie den Truppen unter Suppe, Klawunde und anderen keine weitere Beachtung geschenkt wurde, denn sie waren nicht fähig, Ansatzpunkte für die Reorganisation des Heeres nach dem Zerfall der Monarchie zu werden.

Suppe, Klawunde und andere besaßen nicht die Autorität wie (immer noch) die meisten alten Offiziere (der heimkehrenden Formationen); die militärische Schlagkraft dieser Truppen der Feldwebel und Unteroffiziere war nur sehr gering.

Der Fehler der deutschen Sozialdemokratie war die verpaßte Chance, das Heer zu demokratisieren. Diese Chance wurde aber nicht erst nach dem 9. November 1918 verpaßt, sondern viele Jahre vorher.

Nach der Revolution gab es genügend Offiziere, die sich mit aller Kraft einer Demokratisierung zur Verfügung stellen wollten, aber der Gegensatz im Rat der Volksbeauftragten zwischen SPD und USPD ließ alle Ansätze einer vernünftigen Wehrpolitik scheitern.

Berlin ULRICH KLUGE

Pabst*

* 1919 als Erster Generalstabsoffizier der Garde-Kavallerie-Schützen-Division an der Niederschlagung des Spartakus-Aufstandes beteiligt und mitverantwortlich für die Ermordung Liebknechts und Rosa Luxemburgs, 1920 Organisator des gegen die Berliner Regierung gerichteten Putsches des Generallandschaftsdirektors Kapp, 1930 von Hitler vergeblich um Übernahme der Aufgaben eines »politischen Organisationschefs« (Pabst) gebeten.

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