Zur Ausgabe
Artikel 3 / 44

Propaganda

aus DER SPIEGEL 4/1951

»Wie kann der SED-Propaganda organisiert begegnet werden?« fragten sich rund 30 Vertreter von Parteien und bundesrepublikanischen Organisationen, die der gesamtdeutsche Kaiser telegraphisch nach

Bonn ins Bundeshaus eingeladen hatte. Der östlichen Briefpropaganda begegne man am besten durch Beantwortung und Hinweis auf die (ablehnende) Adenauer-Erklärung zum Grotewohl-Angebot. Außerdem soll eine eigene Briefaktion gen Osten gestartet und Rundfunk und Kino propagandistisch stärker eingespannt werden. Alle Teilnehmer wurden zur Vertraulichkeit verpflichtet. D. Dr. Otto Dibelius, Vorsitzender des Rates der evangelischen Kirche in Deutschland, meinte dagegen in Berlin, er halte ein Gespräch Adenauer-Grotewohl nicht für bedenklich, wenn beide wüßten, wen sie tatsächlich gegenüber hätten. Er halte zumindest für möglich, daß man »auf den unteren Etagen« zusammentreffen könne. +

Dr. Eberhard Taubert, Initiator des antikommunistischen »Volksbund für Friede und Freiheit e. V.« läßt neuerdings Finanzwerber durch die Bundesrepublik reisen, die versuchen sollen. Unternehmer zu Geldspenden zu veranlassen. 25 Prozent der gespendeten Summe sind für den Werber bestimmt. Der Erfolg ist gering, weil auf den Quittungen der Verwendungszweck der Spenden offen genannt wird. In Schleswig-Holstein spendete als erste die Firma Hettlage & Lampe. Kiel. Bald darauf stand im kommunistischen »Norddeutschen Echo«, Kiel, ein halbseitiges Inserat der gleichen Firma. +

Als Pendant zur ostzonalen Volkspolizei, die östlich der Elbe Mißliebige nach Westdeutschland abschiebt, veranstalteten 200

Polizisten in Hannover eine Razzia in vier Lokalen. in denen der »Gesamtdeutsche Arbeitskreis für Landwirtschaft und Forsten« tagte. 149 Gesamtdeutsche aus der Ostzone, die keine westlich gestempelten Interzonenpässe hatten, wurden am gleichen Abend zur Zonengrenze zurücktransportiert. Prominentester Ostteilnehmer Joseph Orlopp, Leiter des Amtes für Interzonenhandel der Ostzone, hatte einen Paß und durfte ohne polizeilichen Einspruch weiterdiskutieren.

Zur Ausgabe
Artikel 3 / 44
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.