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POLEN Prost oder Prellung?

aus DER SPIEGEL 39/1999

Präsident Aleksander Kwas niewski steht unter Beschuss der rechtsnationalen Medien des Landes. Der Staatschef soll bei einer Zeremonie zu Ehren der 1940 vom sowjetischen Geheimdienst ermordeten polnischen Offiziere in Charkow »unter Alkoholeinfluss« gestanden haben. Fest steht: Er taumelte, stützte sich immer wieder bei den Nachbarn ab, sein Schritt war schwankend. »Er hatte zu viel getrunken«, sagt Katarzyna Piskorska von der Vereinigung der Katyn-Familien, die an dem Festakt teilgenommen hat. »Unsinn«, widerspricht das Präsidialamt, der Präsident sei unpässlich gewesen, weil er an einer Prellung des rechten Beins laborierte. Während die privaten TV-Stationen die Aufnahmen vom wankenden Präsidenten ausstrahlten, schwieg das staatliche Fernsehen. Kwas niewski gilt als einer, der den Genüssen des Lebens zugeneigt ist. Schon bei seinem Uno-Auftritt 1996 soll er betrunken gewesen sein, schrieb damals die amerikanische Presse. Beim Besuch in Belorussland im gleichen Jahr habe er den Kofferraum mit der Tür seines Autos verwechselt, berichteten Augenzeugen. Die Nationalkonservativen versuchen nun, aus der Affäre politisches Kapital zu schlagen. Denn Kwas niewski ist der beliebteste Politiker - rund 60 Prozent der Polen würden ihn heute wieder wählen.

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