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Prügel unter Brüdern

aus DER SPIEGEL 35/1977

Mit Stillschweigen haben die Regierungen in Prag und Ost-Berlin einen Zwischenfall übergangen, der so gar nicht ins Propaganda-Bild der sozialistischen Völkerfamilie auf der einen und der revanchistischen Vertriebenen-Organisation auf der anderen Seite paßt. Anfang Juli waren rund 400 ehemalige Sudetendeutsche aus der DDR in zehn Bussen zu einem Wiedersehen mit der alten Heimat ins frühere Reichenberg (heute: Liberec) gereist. Nach reichlichem Alkoholgenuß geriet das zunächst fröhliche Treffen auf dem Reichenberger Hausberg Jested (früher: Jeschken) außer Kontrolle: Die ostdeutschen Besucher verprügelten tschechisches Personal und tschechische Gäste, die sich gegen die zunehmend aggressiven Reden und Gesänge verwahrten. Ein eilends aus Liberec angereistes Polizeiaufgebot vermochte gegen die DDR-Übermacht nichts auszurichten. Erst einer Armee-Einheit gelang es, die aufsässigen Heimkehrer zurück in die Busse und dann an die Grenze zu bringen; die Anführer des sudetendeutschen Krawalls nahm die CSSR-Polizei in Gewahrsam.

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