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Pudding gestrichen, Cola verboten

aus DER SPIEGEL 52/1977

Was und wieviel sollten Kinder und Jugendliche essen, damit sie ihr Normalgewicht halten? Und wie können sie überflüssige Pfunde risikofrei und ohne Hungerqualen loswerden?

Kleinkinder verbrauchen, bezogen auf das Körpergewicht, mehr Energie als Teenager: Täglich 80 Kalorien pro Kilogramm Normalgewicht sind es bei Kindern in den ersten drei Lebensjahren, mit nur 50 Kalorien je Kilogramm kommen dagegen 14jährige aus.

Während Kinder ihr Gewicht zwischen dem dritten und neunten Lebensjahr verdoppeln, steigt ihr Energiebedarf lediglich um rund 60 Prozent: von durchschnittlich 960 auf 1560 Kalorien pro Tag. Im 14. Lebensjahr liegt der erforderliche Energie-Input bei etwa 2000, im 18. Jahr bei einem Maximum von 3000 bis 3500 Kalorien -- wobei Jungen mehr als Mädchen, lebhafte und sportlich aktive Kinder mehr als Stubenhocker essen sollten.

Wie die richtige Kinderkost für Normalgewichtige zusammengesetzt rein sollte, hat Professor Werner Droese vom Dortmunder Forschungsinstitut für Kinderernährung ermittelt. Nach Droeses Auffassung sollten zehn bis 15 Prozent des täglichen Kalorienbedarfs in Form von Eiweiß (Fleisch, Fisch, Milch), 30 bis 35 Prozent in Form von Fett (Butter, Margarine, Pflanzenöl) und etwa 50 Prozent als Kohlenhydrate (Brot, Zucker) verabreicht werden.

Dabei, empfiehlt Droese. sollte de tägliche Eiweiß-Ration je zur Hälfte aus tierischem (Wurst, Eier, Käse) und pflanzlichem Eiweiß (Gemüse, Hülsenfrüchte, Kartoffeln) bestehen.

Ebenso sei es ratsam, allenfalls 50 Prozent der Kohlenhydrat-Kalorien gleichsam pur in Form von Weißbrot, Zucker oder Pudding zu servieren; die andere Hälfte, so Droese. sollte in einer gemischten Kost mit Schwarzbrot, Grieß oder Haferflocken enthalten sein.

Zudem, meint der Ernährungsforscher, müsse darauf geachtet werden, daß sich die Nahrungszufuhr optimal über den Tag verteile -auf insgesamt fünf Mahlzeiten. Rund 25 Prozent des täglichen Kalorienbedarfs sollen dabei auf das Frühstück, zehn Prozent auf eine Zwischenmahlzeit am Vormittag, 30 Prozent auf das Mittagessen, weitere zehn Prozent auf einen Imbiß am Nachmittag und 25 Prozent auf das Abendessen entfallen.

Bei normalgewichtigen Kindern ist es, wie Droese betont, nicht erforderlich, den Ernährungsplan pedantisch genau einzuhalten. Ohnehin schwankt die Appetit-Kurve bei Kindern im Verlauf einer Woche beträchtlich; über längere Zeit betrachtet, bleibt die kindliche Nahrungsaufnahme allerdings bemerkenswert konstant -- mithin, so Droese, sei es überflüssig, vorübergehend eßunlustigen Kindern die Normalportionen aufzuzwingen.

Eßdisziplin müssen dagegen überernährte Kinder lernen -- die dabei freilich nicht darben sollen: Professor Droese und seine Mitarbeiter haben einen »Ernährungs-Fahrplan für das übergewichtige Kind« erarbeitet, der abwechslungsreiche und detaillierte Rezeptvorschläge für 21 Tage mit jeweils fünf Mahlzeiten aufführt*.

In Droeses Mager-Fahrplan mit exakten Kalorien-Zahlen für jede einzelne Rezept-Zutat -- wird Butter größtenteils durch Margarine, werden Stuten und Zwieback durch Knäcke- und Vollkornbrot, Pudding durch Quark oder Joghurt ersetzt. Zwar werden die derart traktierten Dicken mit weniger Kalorien als zuvor abgespeist, doch müssen sie weder auf Fisch noch Fleisch, Zucker, Wurst oder Schmelzkäse ganz verzichten.

Nur soll das Fleisch möglichst gegrillt oder in Bratfolie gegart, das Gemüse gedämpft oder gedünstet werden. Gewürze, vor allem Salz, sind sparsam zu verwenden; statt Pfeffer oder Paprika sollen Küchenkräuter die Gerichte genießbarer machen. Droese legt Wert darauf, daß die Diätkost den dicken Kindern nicht den Appetit verdirbt.

Trinken dürfen sie weiterhin reichlich: Kinder brauchen, gemessen am Körpergewicht, dreimal soviel Flüssigkeit wie Erwachsene; allerdings verbietet Droeses Diätplan zuckerhaltige Getränke wie Cola oder Limonade.

Daß sich erste Erfolge der schonenden Magerkur oft frühestens nach einigen Monaten einstellen, nimmt der Professor in Kauf. Kindern, warnt er, sei ein forciertes Abspeck-Programm nicht zuzumuten; die Behandlung der kindlichen Überernährung verlange deshalb »vor allem Geduld«.

* Zu bestellen beim »Institut für Gesundheitserziehung im Lande Nordrhein-Westfalen«, August-Klotz-Straße 34, 516 Düren.

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