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Briefe

QUENTCHEN MACHT
aus DER SPIEGEL 38/1967

QUENTCHEN MACHT

(Nr. 35/1967, Rudolf Augstein)

Mit seinen Fernseh-Recherchen beging Herr Springer einen kapitalen Fehler. Mit seinem Brief an die »Zeit« leistete er sich meines Erachtens einen geistigen Offenbarungseid.

Hamburg ALBERT GIERCKE

Ihre Kritik am Missionar Springer, dem seine Leser Macht »verliehen« haben, trifft genau ins Schwarze. Missionarischer Eifer und Machtbesitz sind eine gefährliche Kombination.

Hamburg ERNST F. NIEMEIER Dipl.-Volkswirt

Blendend spiegeln Sie Axel Springers wahre Welt in seine Augen zurück.

Köln JEAN ZÜNSKES

Endlich gerät der Springer-Konzern in den Blickpunkt der Kritik. Endlich! Daß aber ausgerechnet Herr Augstein einer der Wortführer ist, erstaunt mich sehr, wo er doch durch den Druck des SPIEGEL bei Springer dessen Profite sichern hilft.

Verden (Nieders.) JüRGEN GEISLER

Der letzte von Springers »Hamburger Abendblatt« veranstaltete Flohmarkt auf St. Pauli wurde von Studenten gestört, die sich, statt alte Hüte anzupreisen, in Springers Hochburg Hamburg erdreisteten, Plakate und Luftballons mit neumodischen Parolen gegen Springer spazierenzutragen. Falls es noch mal einen Flohmarkt gibt, gehe ich wieder hin; denn vielleicht gibt es dort nach dem »Go in« der Studenten ein »Love in« der SPIEGEL-Leute.

Hamburg MARGIT SCHROEDER

Laut Springers Zeitungsberichten soll der Konzernherr auch von der Wiedervereinigung überzeugt sein. Leider scheint dem Pressekönig noch viel zuwenig bewußt zu sein, daß gerade seine Zeitungen stark mitgeholfen haben, den Weg für eine aussichtsreiche Verhandlungsbereitschaft zu verbauen. Es ist an der Zeit, daß sich die maßgeblichen Stellen Gedanken darüber machen, wie und wann der Springer-Konzern aufgelöst werden kann.

Offenburg (Bad.-Württ.) FRANZ WEBER

Man kann nur hoffen, daß die von MdB Fritz Sänger beantragte Prüfung der Springer-Machenschaften endlich zu weiteren Maßnahmen -- auch von seiten des Bundestages -- führen wird. Denn von der die Jugend verdummenden, vorgeblich unpolitischen Teenager-Presse ("Bravo") bis zu den zu praktizierter Anti-Demokratie aufputschenden Blättern ("Bild«, »BZ«, »Welt") gehört zu Springers »Quentchen Macht« alles, was mit Demokratie nichts, mit Entmündigung des Bürgers und Abbau der Freiheit viel zu tun hat.

Um dieses »Quentchen Macht« noch weiter auszudehnen, noch mehr Macht »verliehen« zu bekommen, scheut Springer vor nichts zurück. Man lasse Springer nicht auch noch ans Fernsehen heran!

Wiesbaden ULRICH SANDER

Warum gehen Sie so hart mit Axel Cäsar Springer ins Gericht? Über die Methoden seiner »Erkundungen« kann man geteilter Meinung sein. Dankbar aber muß man ihm sein, wenn er tatsächlich regionale Fernseh-Stationen schaffen würde. Wir wären unabhängig von Sendungen römisch-klerikalen Einflusses und brauchten darüber hinaus die geistig um 1900 verbliebene Heimat- und Regional-Presse nicht mehr zu ertragen. Ihr Tod ist unausbleiblich. Man muß Springer danken, daß er sie unter dem Mantel der Nächstenliebe und des Beschützers vernichtet.

Oldenburg HANS JOACHIM SPERBER

Rudolf Augstein behauptet in seiner Kolumne, ich hätte in der »Welt« geschrieben, Kommunismus sei für mich »wie Krebs«, und ich wüßte »dagegen kein Mittel«. Ich habe das nie -. weder in der »Welt« noch sonst irgendwo -- geschrieben oder gesagt. Rudolf Augstein hat es erfunden und mit dieser Erfindung über mich auch noch den Verleger Axel Springer belastet. Diese Erfindung ist für mich weniger schlimm als für ein Wochenblatt, das sich Nachrichten-Magazin nennt, denn in einer Polemik falsch zitiert zu haben, ist im Journalismus noch fataler, als falsch zitiert zu werden. Trotzdem bin ich daran interessiert, den Fehler zu korrigieren,

Daß er schreiben kann, hat Rudolf Augstein oft nachgewiesen, daß er auch zu lesen versteht, ist fraglich geworden, Aber Ich ahne immerhin, was er cia in vager Erinnerung hatte: Ich habe wiederholt geschrieben, daß mir eine Realität nicht deshalb anerkennungswürdig erscheint, weil sie eine Realität ist. Unheilbar erscheinende Krankheiten nimmt man nicht hin und erkennt man nicht an, nur weil noch kein sicheres und absolut wirksames Mittel zu ihrer Therapie gefunden ist. Man bleibt weiter bemüht, sie zu bekämpfen. In der Politik ist das nicht anders, oder es sollte, so meine ich, nicht anders sein.

Widerspruch ist mir jederzeit willkommen, Unterstellungen zu meinen Lasten empfinde ich als ärgerlich. Obwohl und weil sie den Eindruck erwecken könnten, als sei nichts gegen mich einzuwenden, was nicht zuvor gegen mich erfunden wurde.

Berlin MATTHIAS WALDEN Walden schrieb in der »Welt« vom 2. Juni 1967: »Es ist noch kein Mittel gegen den Krebs gefunden. Aber es wird weiter gesucht. Die Menschen sind gegen den Krebs. Nichts anderes ist Antikommunismus.« -- Red.

könnte man raten, die »Welt« mit dem erst kürzlich erworbenen »Grünen Blatt« zusammenzulegen und künftig als »Grüne Welt«, Fachblatt für Bauernfängerei, weiterzuführen.

Berlin HEINZ-GÜNTER GEIS DIPL.-Kaufmann

Sollte, außer offensichtlichem Konkurrenzneid und antideutscher Einstellung, auch verderblich für Herrn Springer geworden sein, daß er, anläßlich der Einweihung seines Berliner Hauses gesagt hat, er sei ein deutscher Patriot?

Hamburg ROLF LINDNER

Wenn Sie Herrn Springer bitten, nicht in Selbstmitleid zu baden, dann kommen Sie endlich auch aus ihrem Kübel heraus, der mit Neid und Mißgunst gefüllt zu sein scheint!

Köln UWE-JENS KNUDSEN Oberfeldwebel

Wer selbst im Glashaus sitzt, das Hamburger Untersuchungsgefängnis von innen kennt und als eine Art »Edelkommunist« in der Sowjet-Union und in der Zone lobend erwähnt wird, wer die geplagten Trunkenbolde, Asoziale, Gammler und eingeschleusten akademischen Radaubrüder gegen Ordnung und Gesetz In Schutz nimmt, von dem kann man kaum etwas anderes erwarten als die Methode: »Haltet den Dieb« in einer Angelegenheit, die den Springer-Verlag treffen sollte.

Futterneid, Eifersucht und gockelhafte Eitelkeit sprechen aus Ihren wollüstigen Angriffen und »SPIEGEL-Fechtereien«. Auch dieser Schuß wird ein Bumerang sein. Oder glauben Sie allen Ernstes, daß Ihre fortgesetzten Sauereien und Halbwahrheiten auf die Dauer der Auflage des SPIEGEL guttun?

Hamburg WILLI WENZEL Referendar

Vielleicht ergeben sich aus der Kritiklosigkeit und Eitelkeit der Springerleserschaft Ansätze für eine Entmachtung Springers. Vielleicht dadurch, daß in der Öffentlichkeit das allgemeine Bewußtsein geschaffen wird, daß jeder Leser eines Springer-Organs kritiklos, naiv, undemokratisch -- schlicht dumm -- ist. Slogans wie »Wer »Bild' liest, ist dumm« oder »Hinter der »Welt' steckt immer ein unkluger Kopf » allgemein publik zu machen, wäre das keine -- realisierbare (!) -- Aufgabe für Studenten? Und, weil der SDS so gerne organisiert, könnte er in Zusammenarbeit mit anderen Studentengruppen nicht hier ansetzen und eine großangelegte, gut organisierte »Aufklärungsaktion« starten -- mit Plakaten, Spruchbändern, Anstecknadeln und der Hilfe vieler Studenten?

Bonn MANFRED FUCHS stud. jur.

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