Zur Ausgabe
Artikel 17 / 132
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Am Rande Quoten für alle!

aus DER SPIEGEL 50/1998

Wieder einmal haben die Grünen die politische Kultur im Lande enorm vorangebracht. Das heißt bei ihnen: Sie haben eine neue Quote erfunden: die »Neuen-Quote«. Jeder dritte grüne Abgeordnetenjob im Berliner Parlament soll künftig an einen »Neuen« gehen. Platz also für alle, denen sämtliche anderen Quoten (Frauen, Linke, Realos, Ossis) nicht gereicht haben, um Partei-Karriere zu machen. Auch wenn keiner mehr weiß, welche Quote an welchem Quotenschnittpunkt Vorfahrt hat - wir müssen da durch. Die neue Neuen-Quote darf nur ein erster Anfang sein. Also: Was ist mit der Quote für einbeinige Tanzlehrer, für linkshändige Hermaphroditen und Meerschweinchenzüchter mit Mittelscheitel?

Auch die haben selten eine Chance, im politischen Alltag zu glänzen, und würden sich damit wärmstens für Abgeordneten-Bezüge empfehlen. Danach muß die Neuen-Quote das gesamte gesellschaftliche Leben beflügeln. Also bitte: Jeden dritten Platz an einen, der sich dadurch qualifiziert hat, daß er seinen Job noch nie gemacht hat, in der Fußball-Nationalmannschaft, bei den Philharmonikern, im OP-Saal.

Wir vom VfPC (Verein fortschrittlicher Pädagogen Charlottenburg) finden den Vorstoß prima. Wenn wir im Kinderladen »Reise nach Jerusalem« spielen, lassen wir in jeder dritten Runde den dicken Harry gewinnen, der dem Leistungsterror aber widersteht und stehen bleibt, genau vor dem Stuhl, der ihm versprochen wurde.

Wir beantragen die »Dicker-Harry-Quote« auch für die Grünen, denn, um ehrlich zu sein, geht uns der Kerl hier allmählich auf den Keks, und im Abgeordnetenhaus gibt es doch sicher Platz für ... Gibt es nicht? Gibt schon zu viele davon? Wir beantragen Satzungsänderung!

Zur Ausgabe
Artikel 17 / 132
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.