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Raimund Eberle

aus DER SPIEGEL 37/1989

Raimund Eberle, 60, Regierungspräsident im Bezirk Oberbayern, machte einen peinlichen Rückzieher. Wegen seiner plötzlichen Bedenken wurde letzte Woche die schon beschlossene Bestallung des Münchner Psychologen Friedrich Nolte als erster Sexualberater bei der Bezirksregierung zurückgestellt. Fachkollegen, die Nolte für einen »präzise denkenden Wissenschaftler« halten, mokierten sich über die »Panne« und meinten, »in Bayern werden einige Leute kopflos und verklemmt, wenn nur das Wort Sex irgendwo vorkommt«. Oppositionspolitiker vermuten indes, der Christsoziale Eberle sei vor klerikalen CSU-Kreisen »zu Kreuze gekrochen«, nachdem Mitte Juli seine delikaten Beziehungen zu einer Münchner Professorengattin publik geworden waren. Eberle jedenfalls zweifelte auf einmal an der Kompetenz des designierten Sex-Ratgebers und forderte den Kandidaten Nolte nachträglich in einem Brief auf, doch bitte schön einmal den Begriff »Sexualpsychologie« zu definieren.

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