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PERSONALIEN Rainer Offergeld, Günter Xertischer, Klaus Rainer Röhl, Ina Deter, Gerald Ford, Helmut Schmidt

aus DER SPIEGEL 6/1976

Rainer Offergeld, 38, Parlamentarischer Staatssekretär im Finanzministerium, erhielt von einem Essener Wirtschaftsstudenten Hilfe im Steuerfall Sachs angeboten. Der Student versprach, dem Staatssekretär eine »hieb- und stichfeste« Methode zu verraten, »um für die Gebrüder Sachs in der Bundesrepublik eine Steuerpflicht zu begründen«. Bedingung: »Ein relativ bescheidenes steuerfreies Erfolgshonorar in Höhe von zehn Prozent der endgültigen Steuerschuld«. Obwohl an dem todsicheren Tip interessiert, mochte Offergeld indes die Bedingung des Studenten nicht akzeptieren. Anstelle des gewünschten Honorars versprach der Staatssekretär dem Studenten, er »werde nicht müde werden, den Schöpfer öffentlich zu preisen und mit Ehrungen zu überhäufen«, falls sich dessen Vorschlag »als fiskalisch fruchtbar« erweise. Offergeld fürchtet freilich zur Dankpreisung des Tip-Gebers nie anheben zu können.

Günter Xertischer, 62, promovierter Vize-Chef des SED-Zentralblattes »Neues Deutschland« ("ND"), hat in der Bundestagsdebatte zur Lage der Nation den westdeutschen Sachwalter des (antikommunistischen) Bösen ausgemacht: den Fraktionsvorsitzenden der CDU! CSU, Karl Carstens. Professor Carstens sei, so erfuhren »ND«-Leser am vergangenen Freitag, »ein wahrer Advokat des Teufels«. Kertzscher wundert das nicht, denn Carstens habe ja »seine juristischen Kenntnisse in der Nazi-Zeit erworben«. »Neues Deutschland«-Kommentator Kertzscher kennt sich aus: Er selber promovierte 1941 an der Leipziger Universität über den »Cursus in der altdeutschen Prosa«, außerdem war er Mitglied in der SA und -- seit 1937 -- in der NSDAP (Mitgliedsnummer 4 532 251).

Klaus Rainer Röhl, 47, Ex-»Konkret«-Verleger, jetzt Redakteur beim »Konkret«-Abklatsch »Das da«, stand vor einem Hamburger Gericht -- wegen des »Konkret«-Konkurses. Röhl und Kompagnon Klaus Steffens hatten laut Anklageschrift in den Jahren 1970 bis 1973 privaten Pomp für mehr als 800 000 Mark (Röhl 520 178 Mark, Steffens 281 575 Mark) aus der »Konkret«-Kasse finanziert -- was der Staatsanwalt heute als Konkursvergeben wertet. Vor Gericht gab sich Röhl jetzt bescheiden. Er legte dar, als »Das da«-Redakteur mit ganzen 1700 Mark netto auskommen zu müssen.

Ina Deter, 29, Liedermacherin, darf künftig ihre Problemsongs unzensiert auf den Plattenmarkt bringen. Bisher gab"s Schwierigkeiten: Von ihrem Erstling »Ich habe abgetrieben« waren versuchsweise 2000 Singles gepreßt, aber nie in den Handel geschickt worden; Verhandlungen mit der Plattenfirma Intercord schliefen wieder ein, weil Ina sich weigerte, ihre Lieder »zu entschärfen«. Erst nachdem ihr jetzt als Außenseiterin der Sprung in die Vorentscheidung zum Grand Prix Eurovision gelungen war (mit dem harmlosen Liebeslied »Wenn du so bist wie dein Lachen"), nahm Platten-Riese CBS sie unter Vertrag -- ohne Auflagen. Gerald Ford, 62, US-Präsident, stimmte Sohn Michael, 25, und Schwiegertochter Gayle, 24, im Kabinetts-Saal des Weißen Hauses auf den bevorstehenden Präsidentschaftswahlkampf ein (Photo). Die Familie, so empfahlen Ford-Mitarbeiter ihrem Chef, möge sich mehr um Wählergunst bemühen. Auch »Mike«, der sich lieber mit religiösen Fragen als mit amerikanischen Problemen auseinandersetzt, soll seine politische Abstinenz aufgeben und für Vaters Wiederwahl werben. Um verlorenes Image zurückzugewinnen, hat Ford zudem einen Familienfremden engagiert: Robert Orben, ehemals Drehbuchschreiber in Hollywood, soll Fords oft langweilige Reden mit Gags anreichern.

Helmut Schmidt, 57, Bundeskanzler, ist unter Skatfreunden leicht zu übertrumpfen. Der Düsseldorfer SPD-Bundestagsabgeordnete Karl-Heinz Hansen hat für den Bundestagswahlkampf ein Kartenspiel mit sozialdemokratischer Prominenz bedrucken lassen, bei dem der Kanzler lediglich den Kreuz-König (Abb. 1.) ziert. Der linke Abgeordnete selbst hat sich besser placiert und kann den Regierungschef als Kreuz-Bube leicht ausstechen. Noch mickriger schneidet Schmidt in einem Skat-Blatt ab, das der ehemalige »Welt«-Karikaturist Wilhelm Hartung entworfen hat und auf der Nürnberger Spielwarenmesse anbieten will. Der Hamburger Zeichner bildete den Bonner Macher als reizlose, traurig dreinblickende Herz-Dame (Abb. r.) ab. Des rechten Hartung heißer Favorit: Kreuz-Bube Helmut Kohl. Denn: »Das Spiel soll ja auch nach den Wahlen aktuell sein.«

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