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Raketen töten nicht - Menschen töten

Vom »Gleichgewicht des Schreckens« zum machbaren Atomkrieg / Von Wilhelm Bittorf Sowjet-Raketen SS-20 sind auf Westeuropa gerichtet, Pershing-2-Raketen sollen von deutschem Boden aus auf Rußland zielen - die gegenseitige Raketendrohung wurde zum Wahlkampfthema in der Bundesrepublik. Um die Sowjets im Konfliktfall gefügig machen zu können, wollen die Amerikaner ihre atomare »Überlegenheit« wiedergewinnen. Die Falken um Präsident Reagan halten einen Atomkrieg für »gewinnbar« - ein US-Abrüstungsexperte nannte das »Phantasien, die auf schierer Verrücktheit beruhen«. SPIEGEL-Autor Bittorf beschreibt, welche Absichten die letzte gefährliche Drehung der Atomkriegs-Spirale in Gang gesetzt haben. Frage an George Bush: »Erreicht man bei den strategischen Waffen nicht einen Punkt, wo wir und die Russen einander so oft auslöschen können, daß es gleichgültig ist, ob wir zehn Prozent oder zwei Prozent höher oder niedriger liegen als die Gegenseite?« Bush: »Ja, wenn man glaubt, daß es bei einem nuklearen Schlagabtausch keinen Gewinner geben kann. Ich glaube das nicht.« Frage: »Wie gewinnt man einen nuklearen Schlagabtausch?« Bush: »Wenn man ein überlebensfähiges Kommandosystem hat, ein überlebensfähiges Industriepotential, Schutz für einen Prozentsatz der Bürger, und wenn man die Kapazität hat, dem Gegner mehr Schaden zuzufügen als der uns zufügen kann. Auf diese Art wird es einen Gewinner geben ...« George Bush, Chef des Geheimdienstes CIA bis 1977, heute Vizepräsident der USA, in einem Interview mit der »Los Angeles Times«, Januar 1980.
aus DER SPIEGEL 8/1983
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