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Königshäuser Ratte wird reich

Nicht nur das Buch über Dianas Stallfreuden, vor allem was drumherum bekannt wurde, entzückt die Briten.
aus DER SPIEGEL 41/1994

Sie ist Prinzessin und sehr vollblütig. Er ist ihr Reitlehrer, und so nimmt die Natur ihren Lauf, erst im Stall, dann überall, sogar in der freien Natur: Die Handlung ist schlicht und spielt im Sexualberitt der Royals - alles wie geschaffen für eines jener Dramen, wie die Welt und ihre Presse sie so sehr lieben.

Die Bühne bereitete diesmal jenes Buch, das von der Liebe erzählt, die Prinzessin Diana und Captain James Hewitt von 1986 bis 1991 verband - die halbe Menschheit kann die Story inzwischen rückwärts erzählen: woran sie ihn faßte, als sie ihn zum erstenmal in ihr Schlafzimmer führte (an der Hand), was sie sich zum Zeichen ihrer Liebe lackierte (Fingernägel), was sie ihm schenkte (Unterhosen) und womit sie sich schließlich von ihm trennte (Tränen).

Doch die Veröffentlichung des Buches (Titel: »Princess in Love") am letzten Montag war nur der Prolog. Das wahre Theater begann tags darauf in Presse, Funk und Fernsehen, sein Höhepunkt war Ende vergangener Woche noch lange nicht erreicht.

Jeden Tag traten neue Figuren auf, die den Geschehnissen bisweilen unvermutete Wendungen gaben - bis hin zu der greulichen Vermutung, daß Prinz Charles von seiner Frau vielleicht das verlangt haben könnte, was ihm seine Geliebte Camilla möglicherweise gebe.

Stockprügel jedenfalls drohte ihm die Komparserie der Kolumnistinnen an, die Charles bezichtigten, seiner Frau nach erfolgreicher Erbenzeugung nicht mehr beigewohnt zu haben.

»Wham, bam, thank you Ma'am«, rief Antonia Warburton im TV dazwischen - womit die frühere Charles-Freundin die Intimtechnik des Kronfolgers beschreiben wollte. Wahrscheinlich, nickten daraufhin die Kolumnistinnen, müsse Diana dann doch eher froh sein, daß ihr Mann sie nicht öfters zu Bett gebeten habe.

Jedenfalls trage er die Schuld, daß Diana orgiastische Erfüllung bei Hewitt gesucht und laut Buch offenbar auch gefunden hat: »Diana fiel in seine Arme und sagte ihm, sie brauche ihn; sie brauche ihn jetzt; sie wolle ihn hier und sofort« - ausgerechnet im Badezimmer. »Endlich, endlich waren ihre schlummernden Begierden geweckt.«

Auf trat sodann eine Reihe blechbetreßter Greise, die zu kaum mehr fähig schienen, als ihre Pensionen zu kassieren und die Tröstungen der Kirche entgegenzunehmen. Aber weit gefehlt: Die alten Herren - Offiziere a. D. der Life Guards, denen Hewitt bis März dieses Jahres angehörte - versprachen dem Übeltäter eine kräftige Tracht, wenn sie seiner jemals habhaft würden.

Man könne den Mann sogar im Tower von London aufhängen, ihm die Eingeweide herausschneiden, die Hoden vor seinen Augen verbrennen und ihn dann vierteilen - mit gut gespielter Freude erläuterte ein beethovenköpfiger Rechtsprofessor die Strafe, die das (theoretisch noch heute gültige) Hochverrats-Gesetz von 1351 für die »Beschädigung der Frau des Kronprinzen« vorsieht.

Von tiefem Ernst geprägt war hingegen der Auftritt von Lord Mishcon, dem Rechtsanwalt der Prinzessin. Hinterrücks von den Lohen eines Kaminfeuers beheizt, informierte er das Publikum, daß er seiner Klientin von einer Klage gegen Miss Pasternak, die Autorin des Buches, abgeraten habe - schade, tönte der Chor der Journalisten, aus deren Worten die schiere Scheelsucht sprach.

Die Buchautorin sei, so informierten sie das Publikum unisono, eine richtige Society-Ziege und im übrigen die Großnichte des »Doktor Schiwago«-Verfassers Boris Pasternak. Sie habe sich an Hewitt herangemacht, ihn dazu überredet, ihr die Details seiner Liaison mit Diana zu offenbaren, und ihn als Gegenleistung an den Buchprofiten beteiligt.

»Jetzt wird die Ratte reich«, lärmte die Boulevardpresse, nachdem schon am Erscheinungstag die ersten 75 000 Exemplare innerhalb von Stunden verkauft waren. Er habe und werde, entgegnete Hewitt, keinen einzigen Penny erhalten - doch sein Dementi ging im Gejohle unter, als eine Mrs. Greta Barclay offenbarte, daß Hewitt für 250 000 Pfund das Haus gekauft habe, in dem sie eines der zehn Zimmer als Mieterin bewohne. »Aber«, verdrehte sie die Augen, »welchen Charme der Mann hat. Einfach umwerfend.«

Tiefergehend äußerte sich - ebenfalls gegen Gage, versteht sich - ein Reigen von Hewitts Ex-Freundinnen. Vor allem lobten sie des Captains offenbar unerschöpfliche Testikularkräfte: Die eine testierte ihm die »Qualitäten einer Sexmaschine«, andere schwärmten von seinen »Fähigkeiten als Mann« - nur mit Hewitts Intelligenz und Charakter waren die meisten nicht so recht einverstanden: »James hat nichts im Hirn und wenig im Herz«, summierte eine Janette Colbridge, »aber dafür um so mehr zwischen den Beinen.«

War es das, was Diana zu Hewitt hinzog? Oder war da vielleicht gar nichts, wie die Prinzessin behauptet?

»Natürlich hatten die was laufen«, meldete sich von den Äußeren Hebriden - also sozusagen aus der Kulisse - Mrs. Marion Deane, die Frau eines dort stationierten Artillerie-Obersten. »Die halbe Armee hat darüber gesprochen.«

Doch so richtig überzeugt, daß Diana mit dem Captain die Ehe brach, war das Publikum erst, als Hewitts damaliger Bursche die Szene betrat. Es sei Zufall gewesen, beteuerte Malcolm Leete, nichts als Zufall, daß er während einer der Reitstunden, die Hewitt der Prinzessin dreimal in der Woche gab, in den Stall gegangen sei: »Ihre Bluse war aus der Hose, seine Hände waren darunter, und auch sie war voll mit ihm beschäftigt.«

Zum Ende der Woche steuerte das Stück, das die Öffentlichkeit noch über viele Wochen amüsieren wird, einer weiteren Klimax zu: Diana hat, so tuschelt in England das Gerücht, schon wieder einen Liebhaber. Y

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