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RAU IDEALER ALS KOHL

aus DER SPIEGEL 37/1985

Der mutmaßliche Herausforderer von Kanzler Helmut Kohl, der Sozialdemokrat Johannes Rau, ist den bundesdeutschen Wählern nicht nur viel sympathischer als der Unionschrist; er kommt auch dem Idealbild eines Bundeskanzlers wesentlich näher. Nach der August-Umfrage der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF-»Politbarometer« sackten Kohls Sympathiewerte weiter ab - minus 0,2 Punkte (auf einer Skala von plus fünf bis minus fünf) sind der bisher einmalige Negativrekord eines amtierenden Kanzlers. NRW-Ministerpräsident Rau sonnt sich dagegen bei plus 1,7 Punkten. Im Rahmen ihrer Umfrage hatten die Wahlforscher auch einen sogenannten Profilvergleich der beiden Politiker erstellt. Das Ergebnis:

Sowohl bei den SPD-Wählern wie auch bei der Gesamtheit der Befragten liegt Rau deutlich näher als Kohl an der Profilkurve eines idealen Kanzlers, der vor allem verantwortungsbewußt, tatkräftig, glaubwürdig und sachlich-ruhig erscheinen soll (siehe Graphik). Besonders peinlich für Kohl: Die eigenen Unionswähler geben ihm bei allen Eigenschaften nur einen relativ geringen Vorsprung vor Rau, in puncto Tatkraft und Modernität schätzen sie den Genossen sogar höher ein.

[Grafiktext]

Über die Eigenschaften des Bundeskanzlers Helmut Kohl (CDU), des potentiellen Kanzlerkandidaten Johannes Rau (SPD) und eines »idealen Bundeskanzlers« sollten sich die Befragten anhand von sechs Gegensatz-Paaren und einer Skala mit Punkten von 1 bis 11 äußern. Die Mittelwerte im August 1985: Helmut Kohl Johannes Rau idealer Bundeskanzler leichtfertig überheblich zögernd konservativ unglaubwürdig unbeherrscht verantwortungsbewußt bescheiden tatkräftig modern glaubwürdig sachlich, ruhig Wähler insgesamt CDU/CSU-Wähler SPD-Wähler Quelle: Forschungsgruppe Wahlen

[GrafiktextEnde]

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