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ZEITGESCHICHTE Raubgold im Flieger

aus DER SPIEGEL 7/1999

Die Bundesregierung hat sich 1961 Raubgold aus dem Dritten Reich angeeignet. Das geht aus Akten im Archiv des Auswärtigen Amtes hervor. Das Gold stammte aus der deutschen Botschaft in Ankara. Bisher war nur bekannt, daß die Bundesregierung 1965 der Dresdner Bank geholfen hatte, Raubgold aus der Filiale in Istanbul in die Bundesrepublik zu bringen (SPIEGEL 5/1999). Während des Zweiten Weltkrieges nutzten Berliner Diplomaten und Geheimdienstler Gold zur Finanzierung von Geheimdienstoperationen und Propagandakampagnen in der Türkei. Das Gold bekamen die Beamten großenteils von Hitlers Außenminister Joachim von Ribbentrop, der es wiederum von Wehrmacht und SS erhielt, die es in den besetzten Gebieten erbeutet hatten. Einige Diplomaten besaßen zudem persönlich Goldmünzen, die aus Raubgoldbeständen stammten. Als im August 1944 die Türkei die diplomatischen Beziehungen zum Deutschen Reich abbrach und die Beamten das Land verließen, mußten sie Privatgold wie auch noch vorhandene 12 Barren und 12 799 Goldmünzen der Botschaft zurücklassen. 1961 flogen zwei Bundeswehrmaschinen Barren und Münzen in die Bundesrepublik. Das Privatgold wurde den ehemaligen Beamten oder ihren Erben ausgehändigt. Das Raubgold der Botschaft ging an die Bundesbank.

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