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»RAUCHE PUR, MEIDE DAS GEFÄHRLICHE NIKOTIN«

aus DER SPIEGEL 46/1969

Der erfahrene Kiffer achtet bereits beim Einkauf der Hasch-Klümpchen auf Konsistenz, Farbe und Geruch der angebotenen Ware. Er besteht darauf, eine Probe fühlen, riechen, rauchen oder schmecken zu dürfen. Preiswucher, Betrug und Fälschung sind auf dem Haschisch-Markt nicht selten.

Schon ein Gramm Haschisch bester Qualität kann, Sorgsam genossen, drei bis vier Personen berauschen; Ware minderer Qualität erfordert bis zu acht Gramm.

Einen Krümel des Stoffs zu verschlucken ist die einfachste Weise des Haschisch-Genusses. Ebenso unkompliziert (und besonders unter nichtrauchenden Damen verbreitet) ist es, die Substanz in einer Tasse Tee aufzulösen. Gourmets mischen den Stoff in aromatische Suppen oder (in der Pfanne) unter Kandis, backen Hasch-Plätzchen, Hasch-Florentiner oder gar eine Haschisch-Schokoladentorte.

Weithin üblich jedoch ist das Haschisch-Rauchen in Pfeifchen oder in Zigaretten, dann vermischt mit Tabak. Kenner freilich mahnen: »Rauche pur! Meide das gefährliche Nikotin!«

Gehobene Hascher verfügen über einen Rauchtisch mit Wasserpfeife, die allerdings nur selten Wasser, sondern oft Wein, abgestandenes Bier oder Milch enthält: Der Rauch wird gekühlt und reißt nicht in den Bronchien des Rauchers.

Beliebt sind auch kleine Holz-, Glas- oder Metall-Pfeifchen: Das angewärmte und zerbröselte Haschisch wird im Pfeifenkopf auf ein perforiertes Stück Silberpapier gegeben und angezündet. Am weitesten verbreitet freilich ist es, Haschisch In Zigarettenform zu rauchen.

Anfänger entleeren behutsam eine Filterzigarette, mischen die erwärmten, weich gewordenen Hasch-Krümel unter den Tabak und füllen die Papierhülse mit dem Gemisch. Fortgeschrittene (wie die Berliner Kommunardin Uschi Obermaier, 23, siehe Bildfolge unten) fabrizieren »Joints« aus mehreren Blättern Zigarettenpapier, die in ihrer spitzen Kegelform an eine Kindertrompete erinnern. Berühmt sind die »Berliner Drei-Blatt-Joints«, die »Große Tüte« sowie die »Rakete«, für die bis zu neun Blatt Zigarettenpapier verklebt werden.

Es gibt den einsamen Trinker; den einsamen Rascher gibt es kaum. Rascher rauchen in Gesellschaft -- schon aus praktischen Erwägungen: Die Pfeife muß ebenso kreisen wie der Joint; denn zwischen den Zügen müssen Rascher pausieren, der Stoff im Joint aber soll weiterglimmen.

Der ungeübte Rascher muß zunächst die Kunst des richtigen Inhalierens lernen: Das Gemisch aus Haschisch-Rauch und Luft, aus den festverschlossenen hohlen Händen eingesogen (siehe Titelbild), soll sehr tief inhaliert und möglichst lange in den Lungen festgehalten werden. Nach einiger Übung werden dem Rascher vier bis fünf Züge genügen. um »high« oder »stoned« zu sein.

Musik verstärkt das Rauscherlebnis. Top-Hits sind derzeit Underground-Platten wie »Santana«, »Taste«, »Spooky Two« oder »Sam Gopal«. Aber auch Musik etwa von Debussy, Mozart und Bach wird hoch geschätzt -- desgleichen Indisches.

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