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Briefe

RECHENAUFGABE
aus DER SPIEGEL 29/1970

RECHENAUFGABE

(Nr. 27/1910, Bonn-Grzimek)

Professor Grzimek kann ebenso die Urheberschaft der Verfassungsnovelle zur Zentralisierung des Umweltschutzes, der übrigens der Bundesrat im ersten Durchgang nicht in allen Punkten zugestimmt hat, für sich in Anspruch nehmen wie andere Fachkräfte auf Bundesebene. Bisher ist niemand in der Bundesrepublik in der Lage, die Kosten für den Umweltschutz zu errechnen. Wir wissen lediglich, daß es sich um Milliarden Aufwendungen handelt, die, sobald das Konzept endgültig vorliegt, sich von Jahr zu Jahr steigern werden. Dabei gehe ich davon aus, daß die Probleme kaum in den nächsten zehn Jahren zu lösen sind. Wir wissen aber genau, daß eine Lösung unmöglich ist, wenn wir mit der Arbeit nicht bereits heute beginnen. Die Bundesregierung hat den ersten Schritt hierzu auf vielen Ebenen getan. Die Überschrift Ihres Artikels »Nichts zu tun« ist genau das Gegenteil von dem, was in Bonn auf diesem Gebiet geschieht.

Pinneberg DR. HANS-ULRICH BRAND*

Ich gebe zu: Naturschutz- und Umweltgesetz sind für viele Politiker und politische Journalisten etwas neuartige Gebiete; sie sind engstens miteinander verquickt, und ihre Ursachen und Bekämpfungsmaßnahmen sind weitgehend gleich. (Als Herr Brandt in der Regierungserklärung darüber redete, haben -- laut SPIEGEL-Bericht -- eine Anzahl Abgeordneter noch gelacht, das hat sich in den letzten Monaten schon erheblich geändert.) Trotzdem hätte Ihre Mitarbeiterin, die mich in einer Ministerialkantine, zum Glück vor Zeugen, dazu befragte, sich genauer über diese Begriffe unterrichten sollen. Ich habe mich -- als Beauftragter der Bundesregierung für den Naturschutz -- zu den Gesetzes-Initiativen im Tier- und Naturschutz geäußert. Tatsächlich scheint diese Regierung, nach jahrzehntelangen vergeblichen Bemühungen, nunmehr ein

* Leiter der Arbeitsgemeinschaft zur Koordinierung von Gesundheits- und Umweltstragen in der SPD-Fraktion.

einheitliches Bundes-Tierschutzgesetz durchzusetzen gegenüber dem Schreckgespenst von elf verschiedenen Länder-Tierschutzgesetzen. Ich bemühe mich in diesen Wochen verzweifelt, das gleiche in der Naturschutzgesetzgebung zu erreichen, nachdem wir bereits den beginnenden Wirrwarr von drei verschiedenen Länder-Naturschutzgesetzen haben. Unbekümmert hat offensichtlich ihre Mitarbeiterin Herrn Minister Genscher statt dessen berichtet, das »Bonn- Greenhorn-Grzimek« beanspruche die Urheberschaft an einer Gesetzesnovelle zum Umweltschutz, und berichtet prompt und stolz über ein Dementi von Herrn Genscher. Umweltschutz und Naturschutz sind noch in zwei verschiedenen Ministerien untergebracht, für den Umweltschutz gibt es im Bundesinnenministerium des Herrn Genscher eine eigene Abteilung, einen Sachbearbeiter im Bundeskanzleramt und einen besonderen Bundesbeauftragten, Professor von Weizsäcker.

Frankfurt PROF. BERNHARD GRZIMEK

Für den Umweltschutz muß unbedingt, besonders in schon so verseuchten Gebieten wie Rhein-Main und im Ruhrgebiet, viel mehr getan werden, als es bis jetzt der Fall war und ist. Nämlich gerade das Rhein-Main-Gebiet, das in absehbarer Zeit von Frankfurt bis Mannheim zu einer einzigen Stadt verschmelzen soll, ist von einer neuen Gefahr bedroht: Im Gebiet von Trebur und Astheim (Landkreis Groß-Gerau) beabsichtigt die Shell-AG eine riesige Raffinerie mit angeschlossenem Petra-Chemie-Werk zu erbauen. Just mit Männern wie »Naturschutzkanzler« Grzimek kann erreicht werden, daß die Umwelt gegen so etwas geschützt wird.

Groß-Gerau (Hessen) WERNER GROGER

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