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ZYPERN / BESATZERKOSTEN Rechnung an den Wirt

aus DER SPIEGEL 29/1964

Als sich britische Fallschirmjäger am

27. Dezember 1963 in der Zypern -Hauptstadt Nikosia zwischen die Bürgerkriegsfronten der Griechen und Türken legten, betteten sie ihre Häupter weich: Die Tommys bezogen in den

drei Luxushotels »Ledra-Palace«, »Nicosia-Club« und »Cornaro« Quartier.

Die Friedenshüter requirierten den gesamten linken Flügel des luxuriösen »Ledra«, besetzten die Küche und verköstigten im Ballsaal täglich 300 Offiziere und Mannschaften. Die Plätze vor den Hotels verwandelten sie in Werkstätten für Kleintanks und Funkwagen.

Trinkfreudige Troupiers schossen nach Dienst - im Dienst war Schießen nicht erlaubt - 900 Glühbirnen aus Kron-, Treppen- und Zimmerleuchtern, stanzten mit Bajonetten die automatischen Selenzellen-Türöffner aus den Füllungen und nahmen italienische Holzschnitzereien des armenischen »Cornaro« -Besitzers Dr. Ashdijan, den sie wegen zusätzlichen Bettenbedarfs sogar aus seinen Privaträumen hinausgeworfen hatten, als Souvenirs mit. Britische Zahlmeister beruhigten die Hoteliers: »Reichen Sie alle Rechnungen ein.«

Als die Uno drei Monate später das Kommando und die Truppenkosten auf der Mittelmeerinsel übernahm, tauschten die britischen Ballsaal-Besatzer ihre roten Käppis gegen Uno-blaue, blieben aber weiter in den Luxusherbergen wohnen. Als die drei Hoteliers auf die Bezahlung der offengebliebenen Rechnungen der Monate Dezember bis März über insgesamt 150 000 Mark drängten, lehnten die Zahlmeister Ihrer Majestät kühl ab.

Begründung der Briten: Zypern -Premier Erzbischof Makarios habe sie als Schutzmacht auf die Insel gerufen, die zyprische Regierung habe daher die Stationierungskosten zu tragen.

Aber auch die zyprische Finanzverwaltung machte ihre Rechnung ohne den Wirt. Sie beschied die harrenden Hoteliers, die britische Regierung habe Zypern von sich aus militärische Hilfe angeboten. Die zyprische Regierung betrachte die Briten als eine »vorübergehend auf der Insel anwesende ausländische Institution«, die für ihre Spesen selbst aufkommen müsse.

Einen Teil dieser Spesen mußten die geprellten Wirte bereits aus eigener Tasche zahlen: Das »Ledra-Palace« berappte für Telephongespräche, Strom - und Wasserverbrauch der Khaki-Gäste 1730 zyprische Pfund (rund 20 000 Mark), da sonst Telephone, Wasser und Strom für das gesamte Hotel gesperrt worden wären.

Hotel »Ledra-Palace« in Nikosia

Scharfschießen im Ballsaal

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