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DÄNEMARK Rechte Adelsmarke

aus DER SPIEGEL 4/2007

Eine ungewöhnliche Allianz erlebten dänische Fernsehzuschauer in der vergangenen Woche: Zunächst trat der bekannteste Rechtsextremist des Landes und Chef der »Nationalsozialistischen Bewegung«, Jonni Hansen, 41, gegen eine Initiative aus Berlin auf - die deutsche EU-Ratspräsidentschaft möchte Nazi-Symbole europaweit verbieten lassen. Hansen sagte, demonstrativ vor einer Hakenkreuz-Fahne aufgebaut, in die TV-Kameras, das Nazi-Emblem sei doch »ein gutes Markenzeichen«. Danach sekundierte der rechtsliberale Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen im selben Beitrag, seine Regierung werde »dem Vorschlag mit der üblichen dänischen Skepsis gegenüber allzu vielen Verboten begegnen«. Auch im Parlament sind alle Parteien, von linker Einheitsliste über Sozialdemokraten bis zur rechtspopulistischen Volkspartei, gegen die deutsche EU-Initiative. »Sogar Neonazis, Rassisten und Kryptofaschisten müssen das Recht haben, die historische Wahrheit zu leugnen«, assistierte ein linksliberaler Kommentator in der Tageszeitung »Information«. Dies sei eine »Adelsmarke der demokratischen und freien Gesellschaften«. Hansen zieht propagandistischen Vorteil aus der dänischen Liberalität. Ungestraft kann er den Holocaust leugnen: Es seien »keine Juden in Konzentrationslagern vergast worden«. Sein Radiosender »Oasen« wurde eine Zeitlang sogar aus dem Staatshaushalt, wie andere Medien auch, subventioniert.

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