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TURKMENISTAN Regie des Leibgardisten

aus DER SPIEGEL 6/2007

Nach dem Tod des bizarren Diktators Saparmurad Nijasow, der sich »Turkmenbaschi« (Vater aller Turkmenen) nennen ließ, inszeniert die zentralasiatische Republik am kommenden Sonntag die Wahl eines neuen Präsidenten. Der einzige aussichtsreiche Kandidat ist der amtierende Staatschef Gurbanguly Berdymuchammedow, 49, einst Zahnarzt des verstorbenen Despoten. Außer ihm treten noch fünf weitere regionale Würdenträger des Regimes an, um den Wahlen einen demokratischen Schein zu verleihen. Der Chef der Leibgarde Nijasows, Akmurad Redschepow, der als der eigentliche starke Mann der Wüstenrepublik gilt, hat alle Kandidaten persönlich ausgewählt und lässt sie rund um die Uhr durch seine Offiziere überwachen. Übereinstimmend geloben die Bewerber, »unbeirrt« den Kurs des toten Tyrannen fortzusetzen. Pflichtgemäß appellieren die staatlich gelenkten Medien an die fünf Millionen Einwohner der früheren Sowjetrepublik, für Berdymuchammedow als den langjährigen »Kampfgefährten des großen Führers« zu stimmen. Allerdings verweisen Sicherheitskreise in der Hauptstadt Aschgabad auf erste Anzeichen von öffentlicher Unzufriedenheit im Lande. Das Wahlvolk klagt über niedrige Löhne, eskalierende Drogenprobleme und soziales Elend. Vor allem in besonders verarmten Bezirken an der Grenze zu Afghanistan patrouillieren verstärkt Sicherheitskräfte, um Aufstände der illegalen Opposition zum Wahltermin zu verhindern.

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