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Briefe

REICHSREDNER
aus DER SPIEGEL 10/1963

REICHSREDNER

Ich glaube, nach all den Vorfällen um das Auftreten von Dönitz in Geesthacht gibt es 200 Gymnasiasten weniger, denen man Rufmord und geistigen Zwang als freiheitliche Demokratie anpreisen kann. Bei mir und einigen ehemaligen Mitschülern hat diese Art des einseitigen und oft primitiv-verlogenen Geschichtsunterrichts genau das Gegenteil von dem bewirkt, was durch solche aufgebauschten Dönitz-Affären erreicht werden soll: Wir sind entschiedene Nationalisten geworden.

Düsseldorf

KLAUS-DIETER VON DER WEIDEN

Herr Dönitz hat sich zweifellos sehr ungeschickt ausgedrückt ("Frau Lehmann..."). Es wäre jedoch - wichtiger gewesen, die Stichhaltigkeit seiner Behauptung zu widerlegen, als sich über seine Ausdrucksweise zu mokieren. Marineoffizier-Jargon ist nun einmal kein Maßstab für guten Stil!

Frankfurt

H. SCHRÖDER

Auf wie schwachen Füßen scheint unsere Demokratie zu stehen, wenn sie darüber bestürzt ist, daß ein Kommunist oder einer der noch wenigen lebenden geschichtlichen Persönlichkeiten aus der NS-Zeit, Dönitz, einer Jugend, die sich bemüht, objektiv die unbewältigte Vergangenheit zu erforschen, für ein Frage- und Antwortspiel zur Verfügung stehen. Es ist den Hütern unserer Demokratie zu empfehlen, im Jahre 1963 etwas mehr Gelassenheit zu bewahren, wenn ein paar ausländische Journalisten über den »Geschichtsunterricht« des Herrn Dönitz maulen.

Hamburg

WERNER JAMROWSKI

Dönitz, diesen unbelehrbaren »Propheten« (1945: »Spätestens in einem, vielleicht schon in diesem Jahre wird Europa erkennen, daß Adolf Hitler in Europa der einzige Staatsmann von Format ist"), sollte man ins Spandauer Gefängnis zurückschicken. Und der »Geschichtslehrer« Kock? Wird er unbeaufsichtigt und bei unverminderter Verehrung für Dönitz im Amt bleiben?

Freiburg

LEONHARD WOLFF

Man kann in der Bundesrepublik ehemaliger führender Kommunist und Separatist und Landesverräter gewesen sein, man kann während des Krieges auf feindlicher Seite gegen die deutschen Truppen in Ost und West gekämpft und agitiert haben: All das macht nicht nur nichts, nein, das berechtigt zu höchsten Stellen und zu höchstem Ansehen. Aber ein ehrenwerter, verdienter Offizier, dem die Treue zu seinem Volke stets die höchste Richtschnur seines Lebens war, darf von Gymnasiasten über Kriegsereignisse nicht gefragt werden.

Kinzweiler (Nordrh.-Westf.)

A. BLIESSEN

Ihr hämischer Bericht über die Dönitz -Angelegenheit ist unfair. Herr Dönitz hat seine Strafe verbüßt, und er ist mindestens genau so legitimiert, über die Geschichte der letzten 30 Jahre zu sprechen, wie die linken Hetzer, die die alliierten Kriegslügen als deutsche Geschichte verkaufen und die Jugend damit verderben. Das konforme Aufheulen dieses Linksgesindels kennzeichnet, sein schlechtes Gewissen und die Angst vor der Wahrheit.

München

JOSEF SCHARRER

Sie schreiben wörtlich: »Kock und Dönitz, Lehrer, Schüler und Eltern und die ganze Stadt Geesthacht wußten sich mit dem begeisterten Schreiber einig.« Sie zitieren - wie niedrig - den Journalisten mit dem damaligen Mannschafts-Dienstgrad (!) wörtlich: »In jedem Falle Geschichtsunterricht in höchster Vollendung!« Nun: Nur unheilbare Narren vom Range Ihrer Redakteure und) politische Kaffee-Riecher von der Güte eines Dr. Hessenauer können diese Tatsachei bestreiten. Bejammernswerte Demokratie, die solche Wächter braucht.

Ratzeburg (Nieders.)

FRITZ GRABOWSKI

Die Angst vor dem Wiedererwachen des Nationalsozialismus muß unseren Machthabern noch tief in den Knochen sitzen, daß sie sich so aufregen, wenn noch einmal einer der aktiv Beteiligten, wie Großadmiral Dönitz, den Mund auftut, um die nach Artikel 5 des Grundgesetzes auch ihm zugebilligte freie Meinungsäußerung in Anspruch zu nehmen.

Mellendorf (Nieders.)

HERMANN PIEPER

So lange, wie wir es unterlassen, diesen Kameraden im Interesse der noch zu rettenden Demokratie das Handwerk zu legen, so sicher, beschmutzen diese dreisten Kameraden das Ansehen Deutschlands, das schon wieder so große Flecke aufzuweisen, hat. Vorbeugende Maßnahmen in dieser Richtung hätten den Abschiedsbrief Oberstudiendirektor Dr. Rühsens verhindern können.

Essen

RICHARD TOST

Wenn doch diese Leute, die leider nur durch widrige Umstände daran gehindert worden sind, für ihren Führer den Heldentod zu sterben, wenigstens so taktvoll wären, ihre hohen und durchaus unverdienten Pensionen in aller Stille, und Zurückgezogenheit zu verzehren!

Pöhlde (Harz)

OTTO KÖBLITZ

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