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»Reine Horrorzahlen«

aus DER SPIEGEL 42/1993

Der Heidelberger Unternehmer Ernst, 56, plant in Berlin mehrere Großprojekte.

SPIEGEL: Herr Ernst, Sie wissen, was es kostet, in Berlin zu bauen. Sind die Bonner Zahlen über den Regierungsumzug reell?

Ernst: Die Zahlen, die ich in den Zeitungen lese, amüsieren und ärgern mich zugleich. Jeder Fachmann weiß, daß dies reine Horrorzahlen sind.

SPIEGEL: Wo haben die Bonner Bauherren gemogelt?

Ernst: Ich kann nur staunen, auf welche Summen der Neubau von Ministerien und der Umbau des Reichstags taxiert werden. Da kostet ein Quadratmeter Bürofläche 12 000 Mark. Das ist verrückt.

SPIEGEL: Andere sprechen sogar von 17 000 Mark pro Quadratmeter. Könnten Sie es denn billiger machen?

Ernst: Allerdings. Ich würde die gleichen Bürobauten für 4500 bis 5000 Mark pro Quadratmeter herstellen und für 27 bis 28 Mark pro Quadratmeter vermieten. In dieser Rechnung wären allerdings die Grundstückskosten nicht enthalten. Aber die meisten Grundstücke, die man in Berlin braucht, gehören ja bereits dem Bund.

SPIEGEL: Wie kalkulieren Sie den Quadratmeterpreis für die Modernisierung renovierungsbedürftiger Altbauten?

Ernst: Das kommt natürlich auf den Zustand an. Nehmen Sie zum Beispiel das ehemalige Haus der Ministerien, in dem jetzt die Treuhand sitzt . . .

SPIEGEL: . . . dessen Gesamtsanierung mit über 6000 Mark pro Quadratmeter veranschlagt ist.

Ernst: Bisher ist dort solide, wenn auch nicht luxuriös renoviert worden. Ich würde so eine Renovierung für 2500 Mark pro Quadratmeter anbieten.

SPIEGEL: Waren Sie mit Ihren Zahlen schon mal im Bonner Bauministerium?

Ernst: Ich baue in Bonn für das Entwicklungshilfeministerium. Bauzeit 20 Monate, 49 000 Quadratmeter Bürofläche. Die werden an den Bund vermietet. Da es sich um sehr aufwendige Bauten handelt, liegt die Miete bei 38 Mark pro Quadratmeter und, wenn man den Grundstückspreis abzieht, bei 29,50 Mark. Man sollte in Berlin nicht protzen.

SPIEGEL: Der Bundestag braucht 125 000 Quadratmeter für Büros, Sitzungssäle, Konferenzgebäude. Was würde das bei Ihnen kosten?

Ernst: Das wäre ein Investitionsvolumen von 562 bis 625 Millionen Mark, die Miete betrüge pro Jahr 36,5 bis 40,6 Millionen und läge bei 25 bis 28 Mark plus Mehrwertsteuer pro Quadratmeter ohne Grundstücksanteil.

SPIEGEL: Bonn hat rund 2,2 Milliarden Mark veranschlagt. Und wer sagt uns, daß Ihre Zahlen stimmen?

Ernst: Ich lass' mich gern beim Wort nehmen. Ich würde eine Vertragserfüllungs-Bürgschaft von 100 Millionen Mark bieten, daß ich Preis und Termin halte. Was der Bundestag braucht, könnte alles bis Ende 1998 fertig sein.

SPIEGEL: In Bonn heißt es aber, der Bundesrechnungshof habe Bedenken gegen das »Investoren«-Modell.

Ernst: Ich fände es wirklich absurd, wenn der Rechnungshof, der doch auf sparsame Haushaltsführung achten muß, sich als Verhinderungsbehörde für sparsames Bauen aufspielte. Ich habe von solchen Bedenken auch noch nie etwas gehört. In Bonn jedenfalls, wo ich für den Bund als Bauherr tätig bin, zahlt es sich für den Steuerzahler aus: Da habe ich mich verpflichtet, bis Ende 1994 zu den genannten Preisen fertig zu sein. Y

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