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KOLLEKTE ... reitet für den Glauben

aus DER SPIEGEL 12/1951

Mönch Magnus ... Pater Petrus« steht im Darstellerverzeichnis des Films »Das Tor zum Frieden«. Pater Petrus ist Abt Petrus Trefflinger vom oberösterreichischen Benediktinerstift Lambach, halben Wegs zwischen Linz und Salzburg.

Vor fast zwei Jahren kam, ihr erstes Filmmanuskript unterm Arm, Leopoldine Kytka zu Abt Trefflinger, begleitet vom Wiener Produktionsleiter Dr. Lebzelter. Zweck des Besuches war, den Lambacher Abt zur Gründung einer kirchlichen Filmgesellschaft anzuregen.

Leopoldine Kytka legte ihr Drehbuch vor. Es handelt von der Entstehung des steiermärkischen Wallfahrtsortes Mariazell. Mit Mariazells wundertätiger Muttergottes-Statue sind die Schicksale einiger Menschen verbunden. Eine Sängerin, die in der Kriegszeit ihre Stimme verlor, gewinnt sie vor dem Gnadenbild wieder. Schlußapotheose: Die Macht des Glaubens siegt über alle Verblendung und Gefahren.

Produzent Dr. Lebzelter legte dem Abt seine Idee vom Filmschilling vor. Zur Finanzierung des »Tors zum Frieden«.

Die zuständigen Bischöfe stimmten zu, und Wochen später erging in allen Kirchen zwischen Neusiedler See und Bodensee ihr Aufruf, jeder Gläubige solle einen Schilling spenden, damit der Film vom Muttergottesbild in Mariazell zustande komme. Wer spendete, erhielt eine blaubedruckte Papieroblate mit der stilisierten Abbildung der Mariazeller Statue.

Als Wolfgang Liebeneiner und Gattin Hilde Krahl (als Sängerin) für die Lambacher gewonnen waren, sprach Dr. Lebzelter von Summen, die zumindest die Finanzierung mehrerer Filme sicherzustellen schien. Heute, nachdem er sich mit Leopoldine Kytka, die von der Geschäftsführung bis zur Pressepropaganda am liebsten alles selbst machen möchte, überworfen hat, redet er nur mehr von 500 000 Schilling, die hereingetröpfelt seien.

Dr. Lebzelter war glücklich, daß es ihm gelang, im letzten Augenblick 6000 Gläubige zur Wallfahrt nach Mariazell zu bringen. Sie halfen ihm die Kosten für die Komparserie bei dem großen Filmfinale der Lichterprozession sparen.

Leopoldine Kytka ging, als die 6000 in Sonderzügen und auf Lastwagen herangefahren wurden, zu den Geschäftsleuten

und Hoteliers in Mariazell und bat sie, ein Scherflein in natura zur Verpflegung der anströmenden Menschenmassen beizutragen. Es klappte. Die Produktion hatte nur für die Benzin- und Fahrtkosten aufzukommen.

In die Entstehungsgeschichte des Films gehört auch die Auseinandersetzung, die sich im Mariazeller Hotel Laufenstein ergab, als der Abt von Lambach, Pater Petrus, dem Regisseur Liebeneiner eröffnete, daß er selbst die Rolle des Mönches Magnus übernehmen werde. Der hat nach der Legende in halbheidnischer Zeit die Muttergottes-Statue nach Mariazell gebracht.

Liebeneiner sprach davon, daß die im Vorspann verzeichnete »Kirchliche Leitung: Abt P. Petrus Trefflinger« sich nur darum zu kümmern habe, daß die Riten bei den Prozessions- und anderen kirchlichen Szenen richtig durchgeführt würden. Doch Abt Pater Petrus blieb bei seinem Wunsch.

Liebeneiner bootete den für die Rolle bestimmten Wiener Schauspieler wieder aus. Auch kamen noch ein Pater und der Pfarrer von Mariazell, der die im Drehbuch vorkommenden Trauungszeremonien zu vollziehen hat, auf die Besetzungsliste.

Die Wiener Presse sah sich zu massiven Vorwürfen und Angriffen veranlaßt. Ob sich solche schauspielerischen Aufgaben mit seiner geistlichen Würde vertrügen, fragte sie Pater Petrus. Das änderte nichts, ebenso wenig wie der Hinweis, daß mehreren Schauspielern, denen es wirtschaftlich ohnehin nicht gut gehe, Gagen infolge der »Spielfreudigkeit« der geistlichen Herren verlorengingen.

Ostern hat der Lambach-Film »Das Tor zum Frieden« Premiere. Die Wiener werden als erste sehen, wie Abt P. Petrus Trefflinger als legendärer Mönch Magnus durch räuberische Ueberfälle und andere Fährnisse des Drehbuches reitet.

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