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NIGERIA Reue mit Kalkül

aus DER SPIEGEL 32/2001

Im Kampf gegen internationale Erdölkonzerne verbucht das Volk der Ogoni einen moralischen Sieg. Bei einem Auftritt eines Shell-Sprechers vor Nigerias Wahrheitskommission, die Verbrechen der einstigen Militärdiktatur untersucht, wurde eingeräumt, dass der Konzern »feindliche Reaktionen« ausgelöst habe. Firmenvertreter Ron van den Berg versicherte, Shell werde einen »dauerhaften Frieden mit dem Ogoni-Volk« suchen. In Zukunft werde der Abfluss von Öl in Gewässer und das Abfackeln von Gas gestoppt. Hinter der Reue für Sünden der Vergangenheit steckt Kalkül. Shell möchte in das Fördergebiet im ölreichen Niger-Delta zurückkehren. Von dort war das Unternehmen in den neunziger Jahren durch einen Aufstand der Ogoni vertrieben worden. Es kam zu Sabotageakten und Entführungen. Nigerias damals herrschender Militärdiktator Sani Abacha schickte Truppen zum Schutz der Ölanlagen; Soldaten brannten Dörfer nieder und ermordeten Einwohner. Nun zeichnet sich eine Annäherung zwischen Bevölkerung und Konzern ab. Die Angehörigen des 1995 hingerichteten Schriftstellers und Ogoni-Führers Ken Saro-Wiwa verlangen Entschädigungszahlungen nicht mehr vom Öl-Multi Shell, sondern von der Familie des 1998 verstorbenen Diktators Abacha.

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