Zur Ausgabe
Artikel 51 / 117

Vatikan Revolte aus den USA

aus DER SPIEGEL 1/1996

Auch wenn Rom nicht bereit ist, uns zuzuhören, werden wir uns mit Nachdruck Gehör verschaffen - das ist die Quintessenz einer 6000 Wörter umfassenden Streitschrift gegen die autoritäre Herrschaft des Vatikans, die 40 prominente Bischöfe aus den USA jetzt veröffentlicht haben. Wortführer der Rebellen ist der Erzbischof von Milwaukee, Rembert Weakland. Aus ihrer Sicht war das Prinzip der Kollegialität zwischen den Bischofskonferenzen und dem Papst eine der größten Errungenschaften des Zweiten Vatikanischen Konzils. Johannes Paul II. aber regiere die Kirche »wie einen multinationalen Konzern mit dem Hauptquartier in Rom«, während die Diözesen zu »Nebenstellen« ohne eigene Autorität degradiert worden seien. Die amerikanischen Bischöfe wollen sich solche Bevormundung nicht mehr gefallen lassen: »Wenn Rom urteilt, ohne uns anzuhören«, schreiben sie in ihrer Kampfschrift, müßten sie »Schlag auf Schlag mit unseren Dokumenten auf römische Dokumente antworten«. Als Beispiel für die Entmündigung der Oberhirten nennen die US-Bischöfe die Ablehnung des Priestertums für Frauen. Der Chef der Glaubenskongregation, Kardinal Ratzinger, hatte die Haltung des Papstes in dieser Frage als »unfehlbare« Lehrmeinung bezeichnet. Die US-Bischöfe haben ein Gegendokument versprochen und fordern andere Bischöfe auf, es ihnen gleichzutun.

Mehr lesen über

Zur Ausgabe
Artikel 51 / 117
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.