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UMWELTAKTIVISTEN Revolte gegen den Chef

aus DER SPIEGEL 5/1999

Der Öko-Multi Greenpeace ist erneut ins Schlingern geraten. Am Freitag dieser Woche will der Aufsichtsrat von Greenpeace Deutschland über das Schicksal des Ersten Geschäftsführers Walter Homolka beraten, der seinen Job erst im April vergangenen Jahres übernommen hat. Mitarbeiter kreiden Homolka an, daß seit seinem Amtsantritt der Umweltkonzern weitgehend aus den für das Spendenaufkommen höchst wichtigen Schlagzeilen verschwunden ist.

Er habe keine Ahnung von Umweltthemen, nörgeln Funktionäre in der Hamburger Greenpeace-Zentrale. Sie werfen dem ehemaligen Bertelsmann-Manager Sünden wider den Öko-Geist vor: Er benutze auch für Kurzstrecken ständig die Klimakiller Flugzeug und Taxi und zu selten die Bahn. Er verstoße damit gegen den von ihm selbst formulierten Grundsatz, als öffentliche Person müsse er »150prozentig« glaubwürdig sein.

Die einflußreichen Bereichsleiter artikulierten auf mehreren Krisenkonferenzen ihren Unmut über den neuen Chef. Homolka zeige an der Greenpeace-Arbeit nur mäßiges Interesse, statt dessen zelebriere er lieber seinen Nebenjob als Landesrabbiner der liberalen jüdischen Gemeinden in Niedersachsen. Bei Aktionen sei er nie dabei. Homolkas Entschuldigung: Dafür sei sein Körper nicht trainiert. Bestätigt sehen sich die Öko-Oberen durch eine von ihnen in Auftrag gegebene Medienanalyse. Danach komme Homolka in Presse und Fernsehen zwar als sympathischer Mensch und Rabbi über, werde jedoch kaum mit Greenpeace identifiziert. Er setze sich »dem Verdacht der Schaumschlägerei« aus, schaffe es aber immerhin, seine »politischen und fachlichen Defizite« zu überspielen.

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