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Verlage Richter und das Reich

aus DER SPIEGEL 42/1994

Der Axel Springer Verlag grenzt sich nach rechts ab. Vorstandschef Jürgen Richter, 53, seit knapp drei Monaten im Amt, plant die Entmachtung des national-konservativen Münchner Verlegers Herbert Fleissner. Mit ihm teilt sich Springer seit 1985 das Buch-Imperium Ullstein/Langen Müller. Richter beruft sich auf die Verträge und reklamiert den zweiten Geschäftsführerposten neben Fleissner. Der will davon nichts wissen: Für seine aktive Zeit sei ihm, so Fleissner, die alleinige Programmverantwortung zugesichert. Fleissner hat unter anderem die Schriften von neurechten Vordenkern und Politikern wie Franz Schönhuber veröffentlicht - allerdings auch die Memoiren Willy Brandts. Es hätten sich, argumentiert Richter nun, »in den letzten Jahren Dinge ereignet, die einer Partnerschaft abträglich sind«. Vor allem zwei Grundziele des Springer-Verlags - Aussöhnung mit den Juden, Ablehnung von Extremismus - vertragen sich nicht mit dem Rechtsdrall. Richter, der viele Jahre lang die Buchgruppe Westermann lenkte, kalkuliert wohl mit der Abspaltung der alten Konzerntochter Ullstein/Propyläen von Fleissners Reich. Springer, meint er, sei »kein Juniorpartner«.

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