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Briefe

Röhrende Platzhirsche
aus DER SPIEGEL 5/1995

Röhrende Platzhirsche

(Nr. 3/1995, Beschäftigung: Wo entstehen die Arbeitsplätze von morgen?

Reden wir uns nicht die Zukunft schön und machen wir uns nicht - völlig unbegründet - selber froh mit so unhaltbaren Prognosen, die Millionen und Abermillionen wegrationalisierter Arbeitsplätze würden mehr als kompensiert durch (Billig-)Jobs in High-Tech-Branchen und Dienstleistung, in Entwicklung, Beratung, Service, Nachsorge? *UNTERSCHRIFT: Hanhofen (Rhld.-Pf.) REINER SPIESS

Die Vernichtung von Arbeitsplätzen ist ja nur zum Teil durch neue Technik bestimmt. Ein großer Teil ist hausgemacht: durch die Verlegung der Fertigung in Billiglohnländer. Immer mehr Arbeitskräfte werden dadurch freigesetzt, die als Käufer der billiger erzeugten Waren ausfallen, und nicht nur der einzelne verliert seinen Arbeitsplatz, auch das Finanzamt und die Sozialversicherungen erleiden Verluste. *UNTERSCHRIFT: Feucht (Bayern) HORST SIMON

Die Kaufleute machen es sich zu einfach: Alle Kosten, also auch die Werksbibliothek, der Schneeräumdienst und die Fensterputzer, werden auf die Arbeitsstunde umgelegt, die dann sehr teuer ist. Gleichzeitig haben selbst Führungskräfte kaum eine Chance, die gewaltigen Fixkosten zu beeinflussen. Hier müssen neue Kostenmodelle umgesetzt werden, auch wenn die Platzhirsche röhren. *UNTERSCHRIFT: Herzogenaurach (Bayern) RAINER KUTH

Vielleicht sollten die Bedürfnisse der Bürger mal im Mittelpunkt stehen. Ein Beispiel ist die vielbeschworene »Infobahn": Allein die Bundesrepublik und die EU geben derzeit mehr Geld für Projekte zur Behörden-Vernetzung aus als die US-Regierung für den Information-Highway. Das Resultat werden hierbei keine Produkte und Arbeitsplätze, sondern weitere Rationalisierungsmöglichkeiten in der Verwaltung sein. *UNTERSCHRIFT: Bonn UTE BERNHARDT INGO RUHMANN

Bei der Diskussion um die Zukunft Deutschlands wird der zweite Schritt oft vor dem ersten gemacht. Es genügt nicht, in einem Technologierat besonders chancenreiche Branchen und Forschungsgebiete zu benennen und dafür Förderstrategien festzulegen. Wo bleibt die Grundlage für die Umsetzung dieser Perspektiven, nämlich die qualifizierte Ausbildung unserer Kinder und Jugendlichen? *UNTERSCHRIFT: Mainz DR. PETER HENNES Bundeselternrat

Wenn es auch richtig ist, daß die klassischen Bergbauzweige Steinkohle und Kali vor großen Problemen stehen und dort ein Rückgang der Beschäftigten in den nächsten Jahren zu erwarten sein wird, so gibt es doch andere Bergbauzweige wie die Braunkohlenindustrie, bei denen eine langfristig positive Prognose besteht, insbesondere nach der Privatisierung der Braunkohlengesellschaften in Mittel- und Ostdeutschland. Von größerer Bedeutung ist jedoch die Steine- und Erden-Industrie, eine Wachstumsbranche, die auch in Zukunft zahlreiche Bergingenieure beschäftigen wird. *UNTERSCHRIFT: Clausthal-Zellerfeld (Nieders.) PROF. WERNER VOGT Technische Universität Clausthal

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