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PERSONALIEN Ronald Reagan, Jane Fonda, Vanessa Redgrave, Hans Rosenthal, Adolf Müller-Emmert, Werner Zywietz, Helmut Kohl, Walter Rasch, Hans Matthöfer, Traute Matthöfer

aus DER SPIEGEL 22/1976

Ronald Reagan, 65, Mitbewerber US-Präsident Fords um die Nominierung als Präsidentschaftskandidat der Republikanischen Partei, erhielt nach einem Vorwahl-Sieg über den US-Präsidenten Lob von einem Wahlkampf-Konkurrenten aus alten Zeiten. Voller Stolz verlas Reagan nach Bekanntwerden des Abstimmungsergebnisses vor seinen Anhängern die Gratulationstelegramme, die ihn erreicht hatten, darunter eines mit den aufmunternden Worten »Aufrichtige Glückwünsche. Weiter so. Dick«. Als dann Reagans Blick auf den Absender fiel, erblaßte der Ex-Schauspieler. Der herzliche Zuspruch kam von Ford-Vorgänger Richard Nixon, dem Reagan 1968 bei der Nominierung des republikanischen Präsidentschaftskandidaten unterlegen war. Das Telegramm verschwand zerknüllt in Reagans Tasche.

Jane Fonda, 38 (r.), amerikanische Filmschauspielerin ("Klute"), wird zusammen mit ihrer britischen Schauspieler-Kollegin Vanessa Redgrave ("Blow Up"), 39 (l.), einen Film drehen. Die beiden gesellschaftskritischen Aktricen, die durch ihre Teilnahme an Demonstrationen und politischen Diskussionen in den letzten Jahren mehr Schlagzeilen machten als durch Filmarbeit, bleiben dem Nonkonformismus auch vor der Kamera treu. In dem neuen Projekt (Titel: »Julia") geht es um die lesbische Beziehung einer Schriftstellerin zu einer Amerikanerin, die in Europa zur Sozialistin wird, sich am französischen Widerstand beteiligt und von den Nazis umgebracht wird. Politisch liegen die beiden Sex-Darstellerinnen der sechziger Jahre nicht auf der Linie der Drehbuch-Sozialistinnen: Vanessa Redgrave setzt sich privat für die ultralinken Ziele der trotzkistischen »Revolutionären Arbeiterpartei« Englands ein, und Jane Fonda unterstützt, ruhiger geworden, ihren Mann Tom Hayden bei dessen Wahlkampf um die demokratische Senatskandidatur für Kalifornien.

Hans Rosenthal, 51 (2. v. l.), TV-Quizmaster ("Dalli-Dalli") und ehemaliger Fußball-Präsident (Tennis Borussia Berlin), traf Bonns Parlamentarier »an ihrer sportlich empfindlichsten Stelle": Beim Jubiläumsspiel des FC Bundestag zum 25jährigen Bestehen des interfraktionellen Bonner Polit-Fußballclubs schoß der Berliner gleich zwei Tore und damit seine »Prominenten-Elf« zum 4:2-Sieg -- Photo: beim 2:1 vorbei an dem bereits ausgespielten (SPD-)Clubchef Adolf Müller-Emmert, 54 (1.), und (FDP-)Torwart Werner Zywietz, 36 (r.). Mehr Sorgen als die Niederlage beim Jubeltreffen bereitete FC-Manager und Oberamtsrat Willi Hommelsheim zuvor die Aufstellung der Mannschaft: »Gegen unsere Aufgabe ist die von Helmut Schön ein Kinderspiel. Hier kommt es nicht nur auf spielerische Qualität, sondern auch auf Parteien-Proporz an.«

Helmut Kohl, 46, Kanzlerkandidat der Union ("Aus Liebe zu Deutschland"), hat offenbar ein Faible fürs Österreichische. Nach dem ehemaligen ORF-Generalintendanten Gerd Bacher und der Wiener Starphotographin Margret Wenzel-Jelinek spannte der CDU-Vorsitzende einen dritten Nachbarländler für die Unions-Werbung ein: Ernst Wolfram Marboe, ORF-Landesintendant Niederösterreichs, inszenierte ein Propaganda-Spektakel, das den hannoverschen CDU-Wahlparteitag in dieser Woche krönen soll. Im Mittelpunkt der Multi-Media-Schau' die von 40 Projektoren auf eine in zehn Flächen gegliederte Riesenleinwand (14 mal 5,60 Meter) geworfen wird, steht der erste Bonner Kanzler; denn, so Marboe, das Publikum soll »sich an den Mut und die sozialen Taten der Adenauer-Ära erinnern«. Ein Mitarbeiter über das Drehbuch: »Indirekt kommt heraus, daß es seit Adenauer mit der CDU dauernd abwärtsgegangen ist.«

Walter Rasch, 34, Berliner Senator für Schulwesen. gab für einen guten Zweck schlechte Noten preis. Deutschlands jüngster Minister versteigerte im Rahmen der Aktion »Ein Platz an der Sonne« ein Zeugnis, das dem Untertertianer Walter Rasch des Braunschweiger Wilhelm-Gymnasiums zwar gutes Verhalten in der Schule bescheinigt, aber auch den niederschmetternden Vermerk »Auf Beschluß der Klassenkonferenz nicht versetzt« trägt. Pennäler Walter hatte in Geschichte, Erdkunde und Englisch mangelhafte Leistungen geboten. Jetzt wurden die schwachen Zensuren des Schulsenators honoriert: Walter Rasch konnte nach der Versteigerung 343 Mark Erlös in die Kasse der Fernsehlotterie beisteuern.

Helmut Schmidt, 57, Bundeskanzler, vergrätzte einen Altstar der leichten Muse mit einer Bemerkung, als er auf dem »Hummelfest« der Hamburger Landesvertretung in Bonn den Schweizer Sänger und Schauspieler Vico Torriani traf. Schmidt, der sich nur selten TV-Shows anschaut, grübelte: »Ich glaube, ich kenne Sie irgendwoher -- ich glaube, aus dem Fernsehen.« Torriani parierte gekränkt, aber schlagfertig: »Ich glaube, ich kenn' Sie auch. Kann es in einer Fernsehsendung gewesen sein?«

Hans Matthöfer, 50, Bonns Forschungsminister und »leidenschaftlicher Schachspieler« (Selbstbekenntnis). bereitet sich in freien Stunden mit Ehefrau Traute, 48, darauf vor, die Technik matt zu setzen (Photo). Auf Schloß Birlinghoven bei Bonn will der diplomierte Volkswirt bei der »Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung« (GMD) Ende Mai einen von Schachexperten auf Sieg programmierten Computer (Typ Siemens 4004/151) mit »unorthodoxen Zügen« schlagen Matthöfer ist es gewöhnt, ohne leibhaftigen Schachgegner auszukommen

oft spielt er, »wenn ich Muße habe«, mit fachliterarischer Hilfe klassische Partien »vorwiegend sowjetischer« Großmeister im Alleingang nach. Die GMD, die zu 90 Prozent aus Bundesmitteln subventioniert wird, ist heim Treffen »Matthöfer gegen Elektronengehirn« sowohl für einen Sieg als auch für den Fall einer Niederlage des Ministers gerüstet. Ein Sprecher: »Wenn er gewinnt, ist er ein guter Schachspieler; wenn er verliert, ist das ein Beweis seiner guten Förderungspolitik.«

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