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Briefe

ROTE TINTE
aus DER SPIEGEL 47/1966

ROTE TINTE

Zu Ihrem Artikel über die Veit-Harlan -Biographie möchte ich berichtigen:

Ich lernte Harlan und seine Frau Hilde Körber im Jahre 1934 zu Weihnachten kennen. In der Zeit war Harlan arbeitslos, und Hilde ernährte die Familie mit drei Kindern.

Wir wurden sofort Freundinnen, und ich half dem Harlan wieder »auf die Beine« - es wäre eine zu lange Geschichte. Ich tat es Hilde zuliebe.

Ich machte später die ganze Affäre Harlan-Söderbaum mit. In meiner Wohnung lag Harlan vor Hilde auf den Knien und bat mich, Hilde zu überreden, sich nicht von ihm scheiden zu lassen.

Goebbels erfuhr davon und wollte Kristina Söderbaum ausweisen lassen. Wieder kam Harlan mit Kristina händeringend zu mir. Ich sollte helfen. Hilde Körber, großzügig wie sie war, ging mit mir zu Goebbels, und wir erreichten, daß Frau Söderbaum bleiben konnte.

Nun kann sich jeder logisch denkende Mensch ein Bild machen, wie absurd es gewesen wäre, ausgerechnet Harlan, den geschiedenen Mann meiner besten Freundin, zu bitten, mich zu heiraten.

Erstens wurde mir von Hitler nach meinen Erfolgen bei der Ufa zweimal die deutsche Staatsangehörigkeit angeboten, ich sah nur nicht ein, warum ich es hätte tun sollen.

Zweitens hätte Goebbels sicher andere Wege gefunden, um mir die Staatsbürgerschaft zu besorgen.

Drittens - ich war sehr jung und galt als schön, ich wurde sehr umworben, ich hätte bestimmt Männer genug finden können, um sie zu heiraten.

Der mit roter Tinte geschriebene Zettel war ein Spaß von Hilde und mir. Wir wollten Harlans Reaktion sehen, wenn er seine Heiratspläne mit der Söderbaum durchkreuzt sehen würde. Wir haben sehr gelacht dabei, und ich hätte nie gedacht, daß Harlan diesen Zettel zu seiner Rechtfertigung benutzen würde. Denn wenn Goebbels von Harlan etwas haben wollte, genügte ein Anruf und Harlan sprang.

Goebbels hätte mich doch nie mit einem Zettel in der Hand zu Harlan geschickt. Das ist eine so absurde Erfindung, über die jeder intelligente Mensch nur den Kopf schütteln kann.

Zu dem Bild mit mir und Hitler möchte ich sagen, daß damals laut schriftlicher Anweisung alle namhaften Stars und Künstler zur Winterhilfe antreten mußten. Auf dieser Anweisung war vermerkt, an welchen Plätzen wir stehen mußten. Die Sammelbüchsen hatten wir dann in der Reichskanzlei abzugeben, Hitler stand in der Halle und tat in jede Sammelbüchse einen Geldschein. Ich war nur eine von hunderten versammelten Künstlerinnen und Künstlern.

z. Z. Bad Godesberg LIDA BAAROVA

Lida Baarova

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