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Roter Bruderzwist

aus DER SPIEGEL 3/1989

Zwischen der SED und ihrer westdeutschen Bruderorganisation DKP bahnt sich Zwist an. Hermann Axen, 72, Sekretär für internationale Verbindungen beim SED-Zentralkomitee, äußerte sich in internen Gesprächen abfällig über DKP-Chef Herbert Mies und den Verlauf des Frankfurter DKP-Parteitages am vorletzten Wochenende. Bis zu ein Drittel der über 600 Delegierten hatte mit Forderungen nach programmatischer und personeller Erneuerung, Anträgen zu mehr innerparteilicher Demokratie und Glasnost sowie 159 Gegenstimmen bei der Mies-Wiederwahl die Zerrissenheit der SED-treuen Partei deutlich gemacht. Axen, zur Beaufsichtigung des Parteitages entsandt, kritisierte innerhalb seiner Delegation, Mies sei mit der »krisenhaften Lage« (Mies) der Partei nicht fertig geworden. Die »kritischen Köpfe«, die sich auf die Perestroika berufen, hätten ohne viel Aufhebens in den Parteivorstand eingebunden werden müssen. Drei von ihnen, die in Frankfurt aus dem DKP-Spitzengremium abgewählt wurden, waren von Axen im November vorigen Jahres bei Einzelgesprächen in der DDR ins Gebet genommen worden. Der SED-Funktionär bezichtigte die DKP-Leute zwar des Reformismus, bat sie aber, nicht im Zorn aus der Partei auszutreten. Daß DKP-Chef Mies selber von »zwei Linien« in seiner Partei gesprochen habe, sei, so Axen, »nicht glücklich«. In der DKP wird nun nicht mehr ausgeschlossen, daß die SED den 59jährigen Parteichef Mies, der seit 15 Jahren amtiert, fallenläßt.

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