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VERTEIDIGUNG Rückzug aus Tervuren

aus DER SPIEGEL 41/2003

Der Aufbau des geplanten Hauptquartiers für europäische Militäroperationen, den die Regierungschefs von Deutschland, Frankreich, Belgien und Luxemburg beim so genannten »Pralinengipfel« im April beschlossen hatten, wird aus Rücksicht auf amerikatreue EU-Mitglieder wieder abgeblasen. Stattdessen soll es nur eine »Planungszelle« mit 40 bis 50 Mann geben. EU-Militäreinsätze - wie der für nächstes Jahr in Bosnien angestrebte - sollen von nationalen Hauptquartieren aus befehligt werden. Um die Abkehr vom Gipfel-Beschluss deutlich zu machen, soll die Planungszelle auch nicht die vorgesehene Kaserne im Brüsseler Vorort Tervuren beziehen. Das sicherten Bundeskanzler Gerhard Schröder und Frankreichs Präsident Jacques Chirac Briten-Premier Tony Blair zu. Schröder bot zudem seinem spanischen Kollegen José María Aznar vergangene Woche in Berlin eine Beteiligung an. »Das geht nicht gegen die Nato«, versicherte Schröder, Aznar signalisierte Interesse. Mit seinem Schwenk reagierte der Kanzler auch auf Druck seiner eigenen Minister Joschka Fischer (Äußeres) und Peter Struck (Verteidigung), die Ende August gefordert hatten, von den Tervuren-Plänen abzurücken.

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