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Briefe

Ruhe vor dem Sturm
aus DER SPIEGEL 51/2009

Ruhe vor dem Sturm

Nr. 50/2009, Titel: Das verlorene Jahrzehnt - Was die Welt aus einer Dekade der Unvernunft lernen muss

Für eine ganze Reihe von Menschen waren die nuller Jahre kein verlorenes Jahrzehnt, sondern ein sehr erfolgreiches. Im zu Ende gehenden Jahrzehnt sind viele große private Vermögen entstanden: in Russland, in China und anderen Schwellenländern, aber auch in den westlichen Industrieländern. Investmentbanker konnten Millionen-Jahreseinkommen erzielen und einige Hedgefonds- und Private-Equity-Fonds-Manager sogar Jahreseinkommen in Milliarden-Dollar-Höhe. Sie alle profitierten von Globalisierung, Deregulierung, Liberalisierung und Privatisierung, also vom Neoliberalismus. Der Neoliberalismus war die bestimmende Ideologie der nuller Jahre, die Maxime für die Regierungen.

STUTTGART WERNER SEELIGER

Ihren Titel finde ich sehr informativ. Sie hätten aber den globalen, breitgefächerten Einfluss des - neoliberalen - Kapitalismus und der dahinterliegenden Geisteshaltung beziehungsweise Ideologie noch stärker und auch expliziter betonen müssen.

ST. ULRICH (ITALIEN) JAN MATIA PRINOTH

Sie haben schon recht, wenn Sie Philipp Blom zitieren, dass es viele Gemeinsamkeiten zwischen dem Beginn des 20. und dem Anfang des 21. Jahrhunderts gibt. Aber was für Ängste hatten die Menschen im 20. Jahrhundert nach der Oktoberrevolution 1917? Und was fühlen die Menschen nach der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise sowie der weiterhin andauernden Bedrohung durch den fundamental-islamischen Terrorismus? Sie dürfen nicht Jahreszahlen als historische Zäsuren nehmen. Sicher befindet sich die Welt im Wandel. Das tut sie ständig. Und das bringt uns doch voran. Außerdem sehen Sie bitte dieses Jahrzehnt nicht als Stillstand an. Ein Sprichwort heißt: »Das ist die Ruhe vor dem Sturm.« Der Sturm braucht also seine vorweggehende Ruhe.

SCHWERIN HENNING ZIEMANN

Vieles gibt es gewiss zu lernen aus dieser »Dekade der Unvernunft«, aber dank der weltweiten Vernetzung dürfen wir auch hoffen. Die Wahl Barack Obamas wäre ebenso wenig denkbar gewesen wie die Demonstrationen gegen die Mullahs in Iran oder in Italien gegen Berlusconi.

AACHEN DR. RALPH THEILE

Es geht weniger um eine »Dekade« als vielmehr um ein Jahrhundert der Unvernunft! Vor 25 Jahren veröffentlichte die Gruppe 77, ein Zusammenschluss von Entwicklungsländern, zur Generalkonferenz der Unido (Uno-Organisation für industrielle Entwicklung) eine Resolution, in der die Jahre von 1974 bis 1983 als »lost decade« bezeichnet wurden und die wirtschaftliche Entwicklung als die schlimmste seit der Great Depression charakterisiert wurde. Die im Westen ach so virulenten Probleme - Energie, Klima, Armut, Krieg - waren nicht weniger bekannt als heute, aber weniger ein Thema der Mainstream-Medien und schon gar nicht ein Wachstumsmarkt für eingesessene Industrien.

BERLIN ROSA GÖLITZER

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