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Sacharow bald frei?

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aus DER SPIEGEL 41/1985

Der sowjetische KP-Chef Michail Gorbatschow demonstriert seinen neuen Politstil auch in einem Bereich, in dem seine Vorgänger bislang stur geblieben sind: Zwischen Moskau und Washington laufen derzeit diskrete Verhandlungen über eine Ausreise der beiden prominentesten russischen Dissidenten, des Computerfachmannes Anatolij Schtscharanski und des Atomphysikers und Friedensnobelpreisträgers Andrej Sacharow. Die Vermittlung in dieser heiklen Mission hat die DDR übernommen, die Gespräche führt der Ost-Berliner Regierungsanwalt Wolfgang Vogel. Der Jurist Vogel genießt, seit er Anfang der 60er Jahre den Austausch des sowjetischen Meisterspions Rudolf Abel gegen den US-Piloten Francis Gary Powers einfädelte, hohes Vertrauen bei Amerikanern wie Sowjets. Im Juni dieses Jahres managte er, zusammen mit dem jetzigen US-Botschafter in Bonn, Richard Burt, den Austausch von 25 Mitarbeitern amerikanischer Geheimdienste gegen vier in den USA abgeurteilte Ost-Agenten auf der Glienicker Brücke in Berlin. Die Freigabe von Schtscharanski und Sacharow wird allerdings erst nach dem Genfer Treffen zwischen Gorbatschow und US-Präsident Reagan erfolgen. Beide Dissidenten sollen zudem nicht gleichzeitig, sondern in Abständen die UdSSR verlassen dürfen, als erster Schtscharanski. Unbekannt ist, was (oder wen) die Amerikaner den Sowjets als Gegenleistung angeboten haben.

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