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Energie Sachlich falsch

aus DER SPIEGEL 1/1996

Umweltministerin Angela Merkel (CDU) hat sich in eine Kontroverse mit Wissenschaftlern über ihre Klimaschutzpolitik verstrickt. In einer Untersuchung für das Wirtschaftsministerium war das Prognos-Institut in Basel zu dem Ergebnis gekommen, die Bundesregierung werde ihre internationale Verpflichtung, die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2005 um 25 Prozent zu mindern, nicht erfüllen können. Merkel beschuldigte daraufhin die Wissenschaftler schlampiger Arbeit. Die unabhängigen Gutachter, so ihr Vorwurf, hätten bei ihrer Prognose die Senkung der CO2 -Abgase durch die Verordnungen für Wärmeschutz, Heizungs- und Kleinfeuerungsanlagen vernachlässigt. Auch die Auswirkungen verschiedener Förderprogramme habe Prognos schlicht unterschlagen.

Diese Behauptungen seien »sachlich falsch«, hält Klaus Masuhr dagegen, der bei Prognos für Energie zuständig ist. Alle Aktivitäten Bonns, den Kohlendioxid-Ausstoß zu mindern, seien einkalkuliert worden, in manchen Bereichen habe man sogar größere Erfolge, als die Regierung unterstellt. Dennoch werde der Gesamtverbrauch von Erdgas, Kohle, Öl und Kernenergie im Jahr 2020 genauso hoch sein wie heute; die CO2-Emissionen sänken lediglich um vier Prozent. Die Ursache für diese Entwicklung laut Prognos: Im Jahr 2020 werde mit der gleichen Menge Energie, die heute nötig ist, ein um 86 Prozent größeres Bruttoinlandsprodukt erzeugt. Die Bundesregierung könne ihr Versprechen, den Ausstoß von Treibhausgas um 25 Prozent zu senken, nur erfüllen, wenn sie einen »tiefgreifenden Wandel« im Wirtschaftsstil, im Konsumentenverhalten und in den gesellschaftlichen Werten herbeiführe.

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