Ex-Finanzminister von Sachsen-Anhalt Jens Bullerjahn ist tot

Zehn Jahre lang war er Finanzminister von Sachsen-Anhalt. Im Mai machte er öffentlich, dass er an der Nervenkrankheit ALS leidet. Jetzt ist der SPD-Politiker Jens Bullerjahn im Alter von 60 Jahren gestorben.
SPD-Politiker Jens Bullerjahn bei einer Wahlkampfveranstaltung 2006

SPD-Politiker Jens Bullerjahn bei einer Wahlkampfveranstaltung 2006

Foto: Eckehard Schulz / AP

Der ehemalige sachsen-anhaltische Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD) ist tot. Der 60-Jährige starb am Samstag in einem Krankenhaus, wie ein Regierungssprecher und Bullerjahns früherer Staatssekretär Jörg Felgner der Deutschen Presse-Agentur am Samstagabend bestätigten. Der in Halle geborene Bullerjahn war von 2006 bis 2016 Finanzminister in Sachsen-Anhalt. Von 2006 bis 2007 war er Vize-Bundesvorsitzender der SPD.

In einem Interview mit der »Mitteldeutschen Zeitung« hatte der SPD-Politiker in diesem Jahr öffentlich gemacht, dass er an der seltenen Nervenkrankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) leidet. Dabei handelt es sich um eine nicht heilbare Erkrankung des Nervensystems. Die Zeitung hatte am Samstag zuerst über den Tod Bullerjahns berichtet.

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Die SPD Sachsen-Anhalt bekundete ihre Trauer über den Tod ihres Parteifreundes auf Twitter. Man verliere »einen profilierten Politiker und Freund mit wachem Geist und Engagementfreude für Sachsen-Anhalt.«

Einer der Architekten des »Magdeburger Modells«

Seine politische Laufbahn hatte Bullerjahn, gelernter Elektroingenieur, in der Kommunalpolitik begonnen. Von 1990 bis 2016 war er Mitglied des Landtages von Sachsen-Anhalt. Als Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion galt er als einer der Architekten des »Magdeburger Modells«, das bundesweit Aufsehen erregte: Von 1994 bis 2002 führte der damalige Ministerpräsident Reinhard Höppner (SPD) eine Regierung ohne eigene Mehrheit und war im Landtag auf die Unterstützung der PDS angewiesen.

Später wurde Bullerjahn auch Fraktionschef der Sozialdemokraten. Zur Landtagswahl 2006 wurde er als Spitzenkandidat nominiert, landete mit der SPD jedoch nur auf dem dritten Platz. In der folgenden CDU-SPD-Koalition begann seine Karriere als Finanzminister. 2011 war er erneut SPD-Spitzenkandidat.

»Ich war der, der nicht schnell genug weglaufen konnte«, scherzte Bullerjahn einst im Herbst 2012, als der Posten des Vorsitzenden der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) zu besetzen war.

Sein rigider finanzpolitischer Kurs als Minister eröffnete Sachsen-Anhalt Gestaltungsspielräume. Der Haushalt wurde konsolidiert. »Ein Sozialdemokrat, der mit Geld umgehen kann«, titelte die »FAZ« damals. Sein Agieren brachte ihm aber stets auch Kritik aus der eigenen Partei ein.

Im Herbst 2015 hatte Bullerjahn mit 53 Jahren als am längsten amtierender Finanzminister in Deutschland überraschend seinen Rückzug aus der Politik angekündigt. Danach veröffentlichte er mehrere Bücher und ging gern Segeln.

ktz/dpa
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