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IRAK »Saddam hat alles im Griff«

Tahir al-Hamdi, 41, war - unter anderem Namen - Oberst der Armee. Im Frühjahr 2000 nutzte er eine geheime Mission in Jordanien, um sich nach Europa abzusetzen.
aus DER SPIEGEL 44/2000

SPIEGEL: Saddam Husseins Macht scheint ungebrochen. Haben das internationale Embargo und die Uno-Waffeninspektionen nichts bewirkt?

Hamdi: Der Boykott hat Saddam nicht geschwächt, im Gegenteil. Die Bevölkerung, die sich an diesen Zustand gewöhnt hat, gibt nicht dem Regime die Schuld, sondern dem Westen.

SPIEGEL: Wie stark ist die Exil-Opposition?

Hamdi: Saddam kann - wenn überhaupt - nur von Kräften im eigenen Land zu Fall gebracht werden. Auf absehbare Zeit könnte die Armee einen Wechsel herbeiführen. Doch noch hat Saddam alle Generäle im Griff. Die schlagkräftigsten Truppen befinden sich in der Hauptstadt Bagdad. Ihre einzige Aufgabe ist es, den Präsidenten zu schützen.

SPIEGEL: Damit liefert sich der Staatschef diesen Truppen aber letztlich aus.

Hamdi: Saddam hat dafür gesorgt, dass die Offiziere und Soldaten aus ergebenen Sunniten rekrutiert werden.

SPIEGEL: Formiert sich denn in der Baath-Partei keinerlei Widerstand?

Hamdi: Die Baath-Partei ist inzwischen keine politische Partei mehr, sondern eine Spitzelorganisation. Nach dem Vorbild der ostdeutschen Stasi beobachtet sie die Bevölkerung. Saddam setzt alles daran, um Verschwörungen zu unterbinden. So dürfen sich alle Verantwortlichen im Regierungsapparat nicht untereinander austauschen. Zuwiderhandlung betrachtet Saddam als Hochverrat - und darauf steht die Todesstrafe.

SPIEGEL: Angeblich droht Saddam Gefahr aus der eigenen Familie.

Hamdi: Der Machtkampf zwischen den Söhnen Udai und Kussai ist eskaliert. Ich weiß, dass Saddam eigenhändig Familienmitglieder getötet hat, weil sie angeblich gegen ihn putschen wollten.

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