Einlader zu Potsdamer Treffen Wagenknecht bekam jahrelang »nette Mails« von Rechtsextremist Mörig
Sahra Wagenknecht: »Ich wusste nicht, dass das ein Rechtsradikaler ist«
Foto: Nadja Wohlleben / REUTERSDie ehemalige Linkenpolitikerin und Parteigründerin Sahra Wagenknecht hat jahrelang Kontakte zu dem bekannten Rechtsextremisten Gernot Mörig gehabt – offenbar ohne über seine politischen Einstellungen Bescheid gewusst zu haben.
In der ZDF-Talkshow von Markus Lanz wurde am Mittwochabend über das jüngst enthüllte Geheimtreffen von Neonazis, Rechtsradikalen und Rechtskonservativen im November in Potsdam gesprochen. Dabei fiel auch der Name Gernot Mörig, der einer der Initiatoren des Treffens war. Wagenknecht erklärte daraufhin: »Ich kenne den.«
Mörig habe ihr »nette Mails« geschrieben, berichtete die Gründerin der Partei »Bündnis Sahra Wagenknecht«, und das über Jahre. Und er habe ihr vor etwa zehn Jahren ein Abendessen »mit einem linken deutschen Kabarettisten« vermittelt. Mörig habe an dem Abendessen auch selbst teilgenommen. »Ich wusste nicht, dass das ein Rechtsradikaler ist«, betonte Wagenknecht. »Jetzt werde ich mit diesem Mann keinerlei Kontakte mehr haben.«
»Was, der Mann?«
Bei dem Kabarettisten handelte es sich offenbar um Volker Pispers, wie sich auf Nachfragen der anderen Talkgäste, »Welt«-Vizechefredakteur Robin Alexander und »Correctiv«-Reporter Marcus Bensmann, herausstellte. »Correctiv« hatte das Potsdamer Rechten-Treffen enthüllt.
Mörig habe sich auch nach dem Essen »immer mal wieder« bei ihr gemeldet, erzählte die Ex-Linkenpolitikerin weiter. In Mails habe er sie etwa für Talkshowauftritte oder Bundestagsreden gelobt. Sie habe sich dann bedankt, »und das war’s«. Zum letzten Mal habe sie vor Monaten oder gar Jahren mit Mörig Kontakt gehabt, genau könne sie dies nicht sagen. Als sie nun in der Presse über die rechtsradikalen Bezüge des Zahnarztes im Ruhestand gelesen habe, habe sie erst einmal geschluckt: »Was, der Mann?«
Auf die Frage, warum sie überhaupt auf das Vermittlungsangebot für das Pispers-Essen eingegangen sei, antwortete Wagenknecht: »Wenn mir jemand anbietet, dass ich jemanden treffen kann, den ich interessant finde, den ich hochrespektabel finde, dann freut mich das und dann mache ich das.«
Mutmaßung über Mörigs Motive
Über die möglichen Motive Mörigs sagte sie, dass es ihm wohl darum gegangen sei, Kontakte in Kreise zu bekommen, die sonst nichts mit Rechtsradikalen zu tun hätten: »Dadurch hatte er einen sehr guten Leumund bei mir.« Das Beispiel zeige, wie »umtriebig« Rechtsextremisten seien bei ihren Versuchen, »möglichst viele Kontakte nach allen Seiten zu knüpfen«.
Mörig habe sich seinerzeit bei der Kontaktaufnahme zu ihr auch auf einen gemeinsamen Bekannten berufen: Max Otte. Otte war damals in der CDU. Später wurde er Vorsitzender der rechtskonservativen »Werteunion«, 2022 trat er als Bundespräsidentenkandidat für die AfD an.