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Salamat und Rehmat Masih

aus DER SPIEGEL 14/1995

wurden am 9. Februar in Lahore wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilt, 14 Tage später jedoch aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Salamat, 14, ist der jüngste Bürger Pakistans, der sich jemals wegen Gotteslästerung vor Gericht verantworten mußte. Ihm wurde vorgeworfen, eine Moschee mit Schimpfparolen auf den Propheten Mohammed beschmiert zu haben. Salamat war zur vermeintlichen Tatzeit 12 Jahre alt und konnte weder lesen noch schreiben.

Vor der Lynchjustiz fanatischer Moslems flohen Salamat und Rehmat, 40, nach Deutschland. Ihr Aufenthaltsort ist geheim. Pakistanische Islamisten fordern nun von der Regierung Benazir Bhuttos, ihre Auslieferung zu betreiben.

Bhutto hat zwar versprochen, die in den achtziger Jahren von General Zia-ul Haq eingeführten Blasphemiegesetze zu revidieren. Aber bisher hat sie sich, ebenso wie ihr Vorgänger Nawaz Sharif, dem Druck der Mullahs gebeugt. Während Sharif die Blasphemiegesetze 1991 noch verschärfte, indem er vorschrieb, Verstöße mit der Todesstrafe zu ahnden, berief Bhutto Ende vorigen Jahres ihren Justizminister ab. Dessen Vorschlag, eine strengere Beweispflicht bei Anklagen wegen Gotteslästerung einzuführen, war auf vehementen Widerstand der Fundamentalisten gestoßen.

Seit der Einführung der Blasphemiegesetze sind 10 beschuldigte Pakistaner ermordet worden, bevor ihr Verfahren abgeschlossen war; 277 Menschen wurden wegen »Verunglimpfung des geheiligten Namens des heiligen Propheten« unter Anklage gestellt, die meisten von ihnen Mitglieder der Ahmadiyya-Religionsgemeinschaft. Ihnen hatte der von den Militärs hingerichtete ehemalige pakistanische Premier und Vater Benazir Bhuttos, Zulfikar Ali Bhutto, bereits 1974 das Recht abgesprochen, sich als Moslems zu bezeichnen.

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