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SYRIEN / GEHEIMPAKT Sam am Mittelmeer

aus DER SPIEGEL 42/1966

Vor den Toren von El-Hasseje in

Nordostsyrien betonieren und schweißen, arabische Bauarbeiter, beaufsichtigt von schweigsamen weißen Technikern und bewacht von schwerbewaffneten Soldaten. Sie bauen am Nordzipfel Syriens zwischen der Türkei und dem Irak eine riesige Radarstation.

Die Reflektoren zeigen nach Norden. Dort liegt, knapp 200 Kilometer entfernt, der große Nato-Stützpunkt Diyarbakir im türkischen Ost-Anatolien.

Der Radar-Wachtturm für Diyarbakir

- diese US-Basis zielt auf das sowjetische Erdölzentrum Baku - ist eines der Projekte eines geheimen Militärvertrages, den die rote Revolutionsregierung Syriens im April dieses Jahres mit der Sowjet-Union geschlossen hat.

Als Syriens sozialistischer Premier Saijen - am 23. Februar durch den 15. Putsch seit Syriens Souveränität im Jahre 1946 an die Macht gekommen - Ende April Moskau besuchte, war keine Rede von, militärischen Abmachungen. Die Sowjet-Union erklärte sich offiziell lediglich bereit, den Bau des Euphrat -Damms - ursprünglich ein Projekt der Bundesrepublik - zu übernehmen. Ein Zusatzprotokoll, das Premier Saijen nach seiner Rückkehr in Damaskus nur einem ausgesuchten Kreis von Politikern und Offizieren zeigte, enthielt jedoch einen syrisch-sowjetischen Militärpakt. Der Öffentlichkeit blieb das Protokoll bislang unbekannt.

Danach wird Syrien, das schon vorher vom Ostblock insgesamt 1100 Panzer und Schützenpanzer, 8500 Geschütze und Granatwerfer, 145 Militärflugzeuge und 24 Schnellboote erhalten hatte, neuerlich mit modernen sowjetischen Waffen versorgt.

Saijen wurden in Moskau Rüstungs -Lieferungen im Gesamtwert von 200 Millionen Dollar (800 Millionen Mark) zugesagt, darunter

- acht Batterien (96 Stück) Sam-2 -Luftabwehrraketen, derselbe Typ, den Nordvietnam erhält; sie werden an acht Stellen in Syrien placiert (siehe Karte);

- 22 Batterien (132 Stück) rückstoßfreie 107-Millimeter-Panzerabwehrgeschütze vom Typ B-11;

- ein Geschwader Minenräumboote;

- 24 radargesteuerte Scheinwerfer.

Die syrische Luftwaffe, sie immer wieder in Scharmützel mit - bisher überlegenen - israelischen Jägern verwickelt wird, soll etwa 50 doppelschallschnelle Mig 21 erhalten. Eine Staffel flog bereits via Jugoslawien (Zwischenlandung in Mostar) nach Nahost.

Die Großzügigkeit der Sowjets gegenüber dem labileren Partner in Mittelost soll Syrien gegen die gelbe Gefahr immun machen. Denn Anfang dieses Jahres trafen 300 rotchinesische Ausbilder in Damaskus ein, die eine rote Massen-Miliz für die syrischen Revolutionäre organisieren sollten.

Moskau machte zur Bedingung, daß die Chinesen nicht mit sowjetischem Material in Berührung kommen dürfen. Die Sowjets schickten ihrerseits 520 Offiziere und 800 Techniker nach Syrien; 350 Syrer-Offiziere werden in der Sowjet-Union ausgebildet.

Der Vertrag räumt den Russen aber auch noch eine wichtige strategische Position im Mittelmeer ein. Außer der Radar-Baustelle von El-Hasseje gibt es in Syrien noch einen großen roten Bauplatz in einer militärischen Sperrzone am Meer:

Bei Ras-ibn-Hani nördlich des Hafens von Latakia entstehen zum Teil unterirdische Hafenanlagen. Sie sollen die seit dem Abfall Albaniens von Moskau heimatlose sowjetische U-Boot-Flotte im Mittelmeer aufnehmen. Drei russische Raketen-U-Boote ankern bereits jetzt vor Ras-ibn-Hani.

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