Zur Ausgabe
Artikel 34 / 107
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

FERNSEHEN Sanfte Weihnachten

aus DER SPIEGEL 52/2002

Alle Jahre wieder stehen Fernsehmanager vor demselben Problem: Sie brauchen Feiertag-kompatibles Programm, doch die Anzahl der Filme und Serienfolgen, in denen es weihnachtlich zugeht, ist eher begrenzt. Die ARD geht die Christfest-Choreografie deshalb stabsmäßig an, schon von April an arbeitete eigens eine »Weihnachtsmann«-Kommission um Planungschefin Andrea Wich. Programmchef Günter Struve gab ihr ein klares Ziel vor: »Familie, Familie, Familie« und ein bisschen »Besinnliches, das sonst keinen Platz hat«. Seit August steht das Sonderprogramm für die Feiertage fest: Zur Einstimmung zeigt das Erste am Montag zum neunten Mal den Weihnachtsklassiker »Der kleine Lord«, am ersten Feiertag das »Weihnachtsfest der Volksmusik« und danach »Östlich der Sonne«, eine Reisedokumentation von Klaus Bednarz. Bekannte ARD-Gesichter auf Reisen, das gehört zur Weihnachtstradition des Ersten wie die »Stars in der Manege« am zweiten Feiertag. »Wir machen an Weihnachten vor allem Programm für Alleinstehende«, sagt Struve, »aber auch Jüngere wollen in dieser Zeit eher etwas Ruhigeres.« Eine Erfahrung, die auch ZDF-Fernsehspielchef Hans Janke gemacht hat: »Wir haben in den letzten Jahren festgestellt, dass es sich nicht empfiehlt, allzu Schroffes, Anspruchsvolles zu zeigen.« Die Leute wollten lieber »Süßes, wohlfühliges Programm«. Seine Strategie für Heiligabend: »Weihnachten mit Marianne und Michael«, gefolgt von »Weißblauen Wintergeschichten«. Selbst der Spielfilmsender ProSieben gibt sich dieses Jahr ungewohnt sanft: Nachdem die Quoten im vorigen Jahr mit Action-Reißern wie »12 Monkeys« eher dürftig waren, läuft nun neben drolligen Animationsfilmen wie »Robbie das Rentier« zur Hauptsendezeit »Das Dschungelbuch« (24. Dezember) und »Kevin - Allein in New York« (25. Dezember). Erst nach 22 Uhr wagen sich die Sender an härtere Ware: So zeigt RTL am ersten Feiertag den Psychothriller »Der Knochenjäger«. Rekordreichweiten sind sowieso nicht zu erwarten: Heiligabend ist einer der schwächsten TV-Tage im Jahr. Laut ARD-Medienforscher Wolfgang Darschin schauten voriges Jahr rund fünf Millionen Menschen weniger fern als im Dezember-Durchschnitt, und die schalteten zudem schneller wieder aus. Am 24. Dezember 2001 lag die durchschnittliche Sehdauer nur bei 178 Minuten, nach 220 im November und Dezember.

Mehr lesen über
Zur Ausgabe
Artikel 34 / 107
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.