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Umwelt Sauberer Montag

aus DER SPIEGEL 21/1996

Unter Wissenschaftlern sind die gesundheitlichen Gefahren des Luftschädlings Ozon unumstritten. Die Politiker jedoch zankten jahrelang, welche Maßnahmen gegen das Reizgas Wirkung zeitigen könnten. Ein letztes Jahr in Kraft getretenes Sommersmog-Gesetz, nach dem bei extrem hohen Ozon-Werten (von 240 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft) Fahrverbote verhängt werden können, galt auch der Umweltministerin Angela Merkel (CDU) nur als »ein Flicken an Symptomen«.

Jetzt zeigt sich, daß die im Hause Merkel entstandene Vorschrift nicht einmal dazu taugt. Nach einer noch unveröffentlichten, von Greenpeace in Auftrag gegebenen Studie des Heidelberger Umwelt- und Prognose-Instituts (UPI) trägt das Gesetz so gut wie nichts zur Ozon-Reduzierung in der Umwelt bei.

Die Aussage des Heidelberger Instituts beruht auf rund zwölf Millionen Meßwerten, die an 300 in der Bundesrepublik installierten Meßstellen im Laufe der letzten sechs Jahre erhoben und nun erstmals mit Computerhilfe ausgewertet wurden.

Über den Bildschirm der UPI-Forscher flimmerte bald ein immer wiederkehrendes Belastungsmuster, fast identisch Woche für Woche: Ob Stadt oder Land, Ballungsgebiet oder Reinluftzone - jeweils montags waren die Ozon-Werte noch relativ niedrig, im Laufe der folgenden Tage kletterten sie stetig, bis sie am Samstag ihren Spitzenwert erreichten; in der Nacht zum Sonntag gingen sie zurück, innerhalb der Woche stiegen sie wieder.

»Mit meteorologischen Veränderungen«, sagt UPI-Chef Dieter Teufel, sei dieses Auf und Ab der Werte nicht zu begründen: »Es scheint ja nicht regelmäßig jeden Samstag die Sonne.«

Hingegen ergibt sich laut Teufel aus dem Verlauf der Schadstoffkurve ein »eindeutiger Zusammenhang": Gegenüber einem gewöhnlichen Werktag werden nach den UPI-Berechnungen am Wochenende - durch Lkw-Fahrverbot und den Ausfall des Berufsverkehrs - rund 30 Prozent weniger Stickoxide in die Umwelt abgegeben; der Ausstoß an Kohlenwasserstoffen ist um etwa ein Viertel reduziert, die Abgabe von Kohlendioxid um 18 Prozent.

Schlußfolgerung der Heidelberger Wissenschaftler: »Eine kurzfristig herbeigerufene Reduktion der Vorläufersubstanzen« durch Verminderung der Autoabgase könne den Sommersmog »wirksam verringern«.

Die wiederholte Behauptung der Bonner Umweltministerin, Fahrbeschränkungen könnten die Ozon-Belastung nicht wirklich mindern, wird damit widerlegt.

Eine andere Rechnung der Forscher des Umwelt- und Prognose-Instituts ergab: Wäre das Sommersmog-Gesetz während der letzten sechs Jahre schon in Kraft gewesen, hätte es die Ozon-Belastung in diesem Zeitraum um gerade 0,04 Prozent verringert. Demnach hat das Anti-Ozon-Gesetz, wie Teufel meint, »eine völlig zu vernachlässigende Wirkung«.

[Grafiktext]

Gesamtzeit der Ozonkonzentration über 180 Mikrogramm pro Kubikmeter

[GrafiktextEnde]

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