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MODERNES LEBEN Saudek-Photos in Paris

aus DER SPIEGEL 16/1987

Die mit mehr als 200 Bildern bislang größte Ausstellung des tschechischen Photographen Jan Saudek, 51, ist derzeit im Pariser Musee d'Art Moderne zu sehen (bis 10. Mai). Saudek hat drei Jahrzehnte als Angestellter in einem Photolabor, als Heizer, Fabrik- und Landarbeiter sein Leben gefristet, ehe er zu internationalem Ruhm gelangte. Viele seiner (meist handkolorierten) Bilder, in denen sich Körperlust und Sinnenfreude mit einem Flair von Gefährdung und Zerstörung mischen, sind vor dem feucht abblätternden Putz einer Prager Kellerwohnung inszeniert, in der Saudek sieben Jahre lang hauste; in das einzige, auf einen Lichtschacht führende Fenster kopierte er wechselnde Motive, Wolkenbänke oder blühende Bäume. »Dieser Keller, ich schwöre es, war ein absolut unmenschlicher Ort«, bestätigt Saudeks Zwillingsbruder Karel, der für den Katalog eine Kurzbiographie des Künstlers beisteuerte.

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