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Am Hof von Mohammed bin Salman Der Hitzkopf und seine Feinde

Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman ist umgeben von Kritikern und Gegnern, auch aus der eigenen Familie. Ein Report aus dem Inneren des Palastes.
aus DER SPIEGEL 2/2020
Thronfolger Mohammed bin Salman: "Ich bin nicht Gandhi oder Mandela, ich bin ein Mitglied der Herrscherfamilie"

Thronfolger Mohammed bin Salman: "Ich bin nicht Gandhi oder Mandela, ich bin ein Mitglied der Herrscherfamilie"

Foto: RYAD KRAMDI / AFP

Dieser Artikel erschien erstmals in SPIEGEL 2/2020. Nachdem bekannt wurde, dass Mohammed bin Salman das Handy von Jeff Bezos gehackt haben soll, haben wir den Text aktualisiert.

Als Norah O'Donnell dem Kronprinzen die Frage stellt, die über sein Ansehen in der Welt entscheidet, vielleicht auch über seine Zukunft, blickt sie ihm direkt ins Gesicht: "Haben Sie den Mord an Jamal Khashoggi befohlen?", fragt die Moderatorin des US-Senders CBS.

Der Kronprinz ist ein großer, kräftiger Mann, 34 Jahre alt. Es ist Ende September 2019, er sitzt in einem Zimmer am Königshof in Dschidda. Mohammed bin Salman schüttelt den Kopf, als wäre bereits die Idee, er habe einen Journalisten ermorden lassen, so abwegig, dass sich die Frage von selbst beantwortet. "Auf keinen Fall!", antwortet er. "Das war ein verabscheuungswürdiges Verbrechen."

Er habe keine Ahnung von dem Plan gehabt, Khashoggi im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul zu töten. "Aber ich übernehme die volle Verantwortung als einer der Führer in Saudi-Arabien, insbesondere weil es von Mitgliedern der saudischen Regierung verübt wurde." Es klingt, als hätten Juristen nächtelang an einer Erklärung gefeilt, die Tat zwar einzuräumen, eine persönliche Schuld aber auszuschließen.

Es ist das erste Mal seit Khashoggis Tod, dass sich der Thronfolger vor laufender Kamera zu den Vorwürfen äußert. Bereits im November 2018 kam der US-Auslandsgeheimdienst CIA zu dem Schluss, dass der junge Herrscher "mit mittlerer bis hoher Gewissheit" den Mord selbst befohlen hat. In einem Uno-Bericht vom Juni 2019 zum Mordfall heißt es, "glaubhafte Beweise" rechtfertigten weitere Untersuchungen gegen Mohammed bin Salman. Doch mit dem Interview hoffen der Prinz und seine Strategen in Riad, die westliche Welt wieder einwickeln zu können. Im Dezember wurden fünf Menschen wegen des Mordes an Khashoggi von einem saudi-arabischen Gericht zum Tode verurteilt.

Mohammed bin Salman, oft MbS genannt, braucht dringend gute Nachrichten, und er braucht Verbündete. Nicht nur wegen des Aufschreis nach dem Khashoggi-Mord. Im Jemen führt er seit fast fünf Jahren einen nicht endenden Krieg. Zehntausende tote Zivilisten und Kinder, die an Hunger sterben, sind die Folge. Er muss sich gegen den Erzfeind Iran behaupten, der im September mutmaßlich mit Raketen und Drohnen saudi-arabische Ölanlagen attackierte und damit zwischenzeitlich 50 Prozent der Ölproduktion des Landes lahmlegte.

Und nun kommen auch noch Vorwürfe hinzu, wonach MbS das Handy von Amazon-Chef Jeff Bezos gehackt haben soll. Sollte sich der Verdacht erhärten, dürfte der Kronprinz international massiv in Erklärungsnot geraten.

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