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Am Rande Schafpillen

aus DER SPIEGEL 5/2002

Wer schläft, sündigt nicht, und wer nicht einschlafen kann, zählt Schafe. So hielt es der Mensch seit den Zeiten, da ihm wirklich noch Schafe über den Weg liefen, Bilder der Friedlichkeit und damit Balsam der Schläfrigkeit; Schafpillen, sozusagen.

Jetzt haben aufgeweckte Forscher der Oxford University den Schafsköpfen

unter uns die Augen geöffnet: Wer heute Schafe defilieren lässt, um in den Schlaf zu sinken, begibt sich auf einen langen Holzweg. Grund: Das Schäfchenzählen sei einfach »zu irdisch«, um schlafstörende Sorgen zu vertreiben.

Jawohl, ihr Professoren, da habt ihr Recht. Allzu fern sind dem Großstädter, der sich ruhelos im Bett wälzt, die Schäfchen von der ländlichen Heidi-Wiese.

Statt weißpuscheliger Tranquilizer nämlich naht sich ihm Beunruhigendes: eine Horde schwarzer Schafe, Hammel aus Politik und Wirtschaft, in der Wolle gefärbte Börsen-Heinis und was die faule Fauna sonst noch bietet.

Der mit den römischen Stirnfransen etwa könnte ein Minister sein, der mit dem tänzelnden Schritt ein Hauptstadt-Bürgermeister, auch ein verschmitzter Fettsack schleicht vorbei. Die Ruh ist hin.

Schnell aber komme der Schlaf, so fand Oxford als Alternative heraus, wenn der Ruhelose statt Schafe entspannende Szenen imaginiere; beispielsweise einen Wasserfall. Klar, mit dem kann er alles wegspülen.

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