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»Schamhaare abschneiden«

Daums Haaranalyse in Köln ist über Zweifel erhaben, ein neuer Test in einem amerikanischen Labor eher fragwürdig.
aus DER SPIEGEL 44/2000

Das positive Ergebnis, sagt Herbert Käferstein, Rechtsmediziner an der Universität Köln, habe ihn selbst »ehrlich gesagt überrascht«. Doch selbstverständlich hätten er und seine Mitarbeiter Daums Haarbüschel wie in solchen Fällen üblich nicht nur ein-, sondern dreimal untersucht.

Zudem entspricht die in Köln verwendete Methode, die gaschromatografische-massenspektroskopische Analyse, internationalem Standard. Deshalb haben Experten wie der Vizepräsident der »International Society of Hair Testing«, Hans Sachs aus München, keinen Zweifel: »Ich gehe mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon aus, dass das Ergebnis stimmt. Irgendwo muss das Zeug ja herkommen.« Die Drogenstoffe gelangen über den Blutkreislauf in die Haarwurzel, wo sie an Eiweiße gebunden werden und mit dem Wachstum des Haares langsam nach außen wandern. Anders als im Blut oder im Urin, in denen sich Drogenkonsum nur innerhalb von Stunden bis Tagen nachweisen lässt, können Haare den Missbrauch über Monate dokumentieren. Bei Kokain, sagt Sachs, sei der Test positiv, wenn mindestens einmal im Monat gekokst wurde.

Sollte der von Daum angekündigte neue Test in einem US-Labor wider Erwarten negativ sein, sagt Sachs, müsse geklärt werden, ob inzwischen manipuliert worden sei. Möglichkeiten dazu gibt es. Bleichmittel oder Spezialshampoos wie das über das Internet erhältliche »Ultra Clean« können die eingelagerten Stoffe zumindest teilweise wieder aus den Haaren herauswaschen. Ein Gang zum Friseur könnte die Überbleibsel zumindest älteren Drogenkonsums beseitigen.

»Beim Verdacht einer Manipulation«, fordert Sachs kampflustig, »sollte man sofort hingehen und Daum die Schamhaare abschneiden.«

VERONIKA HACKENBROCH

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