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Briefe

SCHAUSPIEL
aus DER SPIEGEL 44/1965

SCHAUSPIEL

Ich hätte nicht gedacht, daß der SPIEGEL über die Regierungsbildung in Bonn drei so lange Titelgeschichten bringen kann, ohne sich zu wiederholen oder langweilig zu werden.

Kaiserslautern BERNHARD SPOECK

Mit der Berichterstattung über die Regierungsbildung in Bonn haben Sie Ihre großen journalistischen Fertigkeiten bewiesen. Besonders gefallen-hat mir, daß Sie im Gegensatz zu früheren Jahren nicht »mit Schaum vor dem Mund« und einem »Holzhammer in der Hand«, sondern nüchtern und sachlich berichtet haben.

Bremen GERHARD LOHSE

Wir können nur besorgt fragen, was uns wohl in den kommenden vier Jahren erwartet, wenn man das unwürdige und peinliche Schauspiel persönlicher Rivalitäten in Bonn sieht. Innerhalb der CDU intrigiert der Parteivorsitzende Adenauer gegen Bundeskanzler Erhard; die bayrische CSU tritt gegen die CDU und FDP an. Alle versuchen dazu noch,

den Bundespräsidenten in politische Streitfragen hineinzuziehen, für die er nach unserem Grundgesetz nicht zuständig ist. Eine neue Wahl würde diesen »Politikern« beweisen, wem die Stunde geschlagen hat.

Haßloch (Rheinl.-Pfalz). PETER A. LUTZ

Sehen wir morgens vor dem Haus ein Segelschulschiff (mit Dieselmotor), dann denken wir an Seemannsgarn und Klabautermann. Sehen wir abends hinter dem Haus den Kampf der braunen Igel um die Futternäpfe, dann denken wir an unsere Minister.

Kiel FRANZ DENNER

Wie wollen diese deutschen Politiker, die sich bei der Regierungsbildung schon so naiv, tolpatschig oder gummilöwenähnlich aufführen, bei der Behandlung großer internationaler Probleme, die Deutschland betreffen, mit dem Texaner Johnson, dem General de Gaulle, Mauer-Bauer Ulbricht oder den Kreml -Diktatoren fertigwerden?

London JOCHEN BENARSKI

Wenn das Drama von Bonn schon uns Deutsche in Angst und Schrecken versetzt, was sollen dann erst unsere Verbündeten sagen?

München DIETHERR SCHMIELINSKI

Es verwundert wirklich nicht, daß General de Gaulle die Bundesrepublik und deren Chef Erhard politisch nicht mehr ganz ernst nimmt. Einem autoritären Mann wie de Gaulle wird es immer ein Rätsel bleiben, wie ein Mann, der die Wahlen eindeutig durch sein persönliches Prestige gewinnen konnte, anschließend das entsetzliche Schauspiel um die Ministerposten widerspruchslos mitmachte.

Paris PIERRE-PROVOST

Der große Verlierer bei der Kabinettsbildung ist die »Bild-Zeitung«. Alles, was sie lauthals forderte, bleibt uns erspart: die Große Koalition, Schröders Weg in die Wüste, Straußens Einzug ins Kabinett und Mendes Entlassung aus dem Gesamtdeutschen Ministerium.

Köln LUDWIG EHLERS

Man kann Bundeskanzler Erhard zu Recht vorwerfen, er habe bei der Regierungsbildung nicht energisch genug »auf den Tisch geschlagen«, doch Gott sei Dank ist er zumindest der »Bild-Zeitung« gegenüber hart geblieben und hat den international anerkannten Außenminister Schröder in seinem Ministeramt belassen.

Hamburg DIETER SCHWARZ

Gentleman Schröders Ost-Kontaktpflege: Er ließ eine Note im Kreml durch den Chauffeur eines Lastwagens überreichen. Er warf das berühmte Bolschoi-Ballett von einem Tag zum andern aus Westgermanien hinaus. Er belehrte den Kreml, daß die Ausfuhr von Ikonen -Diebesgut durch den Botschafter Groepper Rechtens sei. Das ist westdeutsche Staatskunst.

Stuttgart WILHELM RIECKER

Nach Lektüre Ihres Interviews mit dem CSU-Außenamts-Anwärter Guttenberg kann ich nur dankbar feststellen: Ein

gütiges - wahrscheinlich unverdientes

- Geschick hat unser Volk vor der Ablösung Schröders durch Guttenberg bewahrt.

Braunschweig FRIEDHELM DIETZ

Die Haare stehen einem zu Berge, wenn man versucht, den degenerierten Vorstellungen des Freiherrn zu Guttenberg über »Außenpolitik« zu folgen.

Geben Sie den exponierten Abgeordneten der Regierungsparteien noch öfter Gelegenheit, sich zu außenpolitischen Fragen zu äußern, damit dem deutschen Michel mit SPIEGEL-Niveau vor Augen geführt wird, was er sich da wieder zusammenwählte.

Hamburg HENRY MAURER

Im SPIEGEL Nummer 41 lese ich in Ihrer Titelgeschichte, daß das Evangelische Hilfswerk dem Bundestagspräsidenten Gerstenmaier ein Jagdhaus im Hunsrück zur Verfügung gestellt hat. Nachdem ich bis jetzt die einseitige Vorstellung hatte, das Evangelische Hilfswerk helfe nur Armen und Bedürftigen bin ich doch erfreut darüber, daß man nunmehr die Tätigkeit des Hilfswerkes ausgeweitet hat.

Können Sie mir bitte mitteilen, an wen ich mich wenden muß, um als evangelischer Kirchensteuerzahler diesen Service meiner Kirche ebenfalls ausnutzen zu können? Da Herr Gerstenmaier als Bundestagspräsident sicher mehr Kirchensteuer zahlt als ich, kann ich wohl kaum ein Jagdhaus mit einer Abschußberechtigung für IA und IB -Hirschböcke beanspruchen. Ich wäre jedoch mit einer einfachen Jagdhütte zufrieden, in deren Nähe man IIIB-Hasen oder ähnliches Wild das man höheren Kirchensteuerzahlern nicht mehr anbietet - schießen kann.

Tübingen KLAUS BERGMANN

Algemeen Handelsblad

»Nach dem Sieg - Verteilung der Beute ...«

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