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DOKUMENTATIONEN Schindlers List, Göths Sadismus

aus DER SPIEGEL 52/2002

Als Anfang der neunziger Jahre bekannt wurde, dass Hollywoods ewiges Wunderkind Steven Spielberg einen Film über den Holocaust plant, waren viele Historiker entsetzt; einige fürchteten eine Art »E. T. in Auschwitz«. Doch »Schindlers Liste« wurde ein Meisterwerk und 1994 mit sieben Oscars ausgezeichnet; bis heute gilt der Film als wichtigster Beitrag Hollywoods zur Rezeption des Holocaust. Jetzt hat die SPIEGEL-TV-Autorin Kathrin Sänger für ihre Dokumentation »Schindlers Liste - Eine wahre Geschichte« an den Schauplätzen des Films recherchiert, Zeitzeugen in Polen, Deutschland, Israel sowie den USA getroffen und einige Vorbilder der Spielfilmfiguren interviewt. So spricht etwa Helene Rosenzweig zum ersten Mal vor einer deutschen Fernsehkamera - Rosenzweig war eines der zwei jüdischen Hausmädchen von SS-Hauptsturmführer Amon Göth, der vom Balkon seiner Villa aus scheinbar wahllos auf die Juden im Lager Plaszow schoss. Selbst die Verwandten dieser Opfer brachte Göth anschließend um: »Er mochte keine Unzufriedenen im Lager haben«, erklärt ein Überlebender diesen mörderischen Sadismus. Anders als in Spielbergs Film angedeutet, zeigte Göth in Wahrheit keinerlei erotisches Interesse an den Hausmädchen, so Rosenzweig. Die ebenso beklemmende wie bewegende Dokumentation läuft am Freitag nach Weihnachten um 23.20 Uhr auf Vox, im Anschluss an Spielbergs »Schindlers Liste«, der um 20.15 Uhr ohne Werbeunterbrechungen gezeigt wird.

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