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Briefe

SCHLACHTEN-LENKER
aus DER SPIEGEL 21/1962

SCHLACHTEN-LENKER

Der Kommandant von »U 29« handelte nach der Versenkung des britischen Flugzeugträgers »Courageous« am 17. September 1939 militärisch richtig, indem er in diesem Falle Funkstille bewahrte. Er meldete die Versenkung erst am 26. September mündlich, als er mit seinem Boot nach Wilhelmshaven zurückgekehrt war. Der britische Rundfunk gab aber schon am 18. September die Versenkung der »Courageous« durch ein deutsches U -Boot bekannt, woraus der Führer der Unterseeboote wertvolle operative Schlüsse ziehen konnte. Also nur durch die britische Meldung vom 18. September erfuhren wir von dem Erfolg des deutschen U-Bootes und veröffentlichten ihn im Wehrmachtbericht vom 19. September. Eine Erfolgsmeldung durch »U 29« am 17. September und ein »beharrliches Abwarten« des Oberkommandos der Marine bis zum 19. September treffen also nicht zu. Die frühzeitige Veröffentlichung der Engländer zeigt ferner, daß im Kriege vor die Tugend der Offenheit die Götter den Verstand gesetzt haben.

Hamburg

MAXIMILIAN FELS

Korvettenkapitän a.D.

Es erscheint mir wichtig, Ihren Kommentar zum Buch des Oberarchivrats Dr. Murawski über »Der deutsche Wehrmachtbericht 1939-45« mit dem Auszug aus einem Affidavit des Generalmajors von Wedel zu ergänzen: »Ich habe unter äußersten Anstrengungen die Propagandatruppe als soldatischen Verband aufzubauen, durchzuhalten und der direkten Einflußnahme der Partei und vor allem des Dr. Goebbels zu entziehen versucht. Daß dies bis zum Frühjahr 1945 in den Grundzügen geglückt ist..., ist nicht zuletzt das Verdienst des Generaloberst Jodl, der immer wieder Parteiintrigen gegen uns im Führerhauptquartier abfing. Dr. Goebbels hat mindestens dreimal meine Entfernung aus dem Amt bei Hitler betrieben. In allen drei Fällen hat Generaloberst Jodl dies verhindert und damit den soldatischen Einfluß gegen den Parteistandpunkt gewahrt.« Diese Feststellung dürften die Worte im Affidavit von Professor Percy Schramm (Führer des Kriegstagebuches des Wehrmachtführungsstabes) bestätigen:. »Bis zum Schluß ist er (Jodl) bemüht gewesen, so zu handeln, wie er als Offizier erzogen war. Es gehört zu seiner Tragik, daß die Möglichkeit, sich in diesem Sinne in

der Umgebung Hitlers auszuwirken, ganz gering war. Im negativen Sinne, das heißt Schlimmeres verhindernd, hat A. Jodl sich ständig ausgewirkt. Das steht jedoch in keinen Akten... Dadurch ist er zu einer tragischen Persönlichkeit geworden, an der die Alliierten durch das gefällte Urteil und dessen Vollstreckung ein schreiendes Unrecht verübt haben.«

München

LUISE JODL

Mein Bruder, Hauptmann Hans-Jochen Marseille, ist nicht, wie Sie schreiben, gefallen, sondern am 30. September 1942 aufgrund eines Maschinenschadens tödlich abgestürzt. Um die Richtigstellung dieser Tatsachen bemühe ich mich seit Jahren, obgleich doch ein wesentlicher Unterschied zwischen dem Tode eines Menschen im Krieg, der vor dem Feinde fällt (hier: Kapitänleutnant Prien) oder dem eines Menschen, der einem Unglücksfalle zum Opfer fällt, besteht.

Mainz

HANS-RUDOLF MARSEILLE

Was hat wohl den SPIEGEL veranlaßt, nun auch noch in diese billige Trompete der Wehrmachthetze hineinzublasen?

Hamburg

DR.-ING. E. NIELSEN

Luise Jodl

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